Hallo zusammen,
wer wissen will, wie lange ein Energiesystem noch geplant ist, schaut nicht auf Reden. Er schaut auf Vertragslaufzeiten.
Katar baut seine Kapazität für Flüssigerdgas bis 2030 von 77 auf 142 Millionen Tonnen im Jahr aus. Über 70 Prozent der neuen Mengen sind schon verkauft — in Verträgen mit 20 bis 27 Jahren Laufzeit. Die letzte dieser Lieferungen fällt in die 2050er Jahre.
Diese Ausgabe ist der Rahmen für eine siebenteilige Reihe, die wir heute veröffentlicht haben. Sie geht der Frage nach, womit ein Geschäftsmodell abgesichert wird, das bis 2050 reichen soll — und was davon bei uns ankommt.
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Konstruktive Alternativen für Deutschland
Eine Sache vorweg, weil sie diese Woche anläuft. Ab dem 1. Oktober sinkt die Energiesteuer auf Kraftstoff wieder, befristet bis zum 31. Dezember: 2,5 Milliarden Euro. Zusammen mit der Runde im Mai und Juni sind es 4,1 Milliarden in diesem Jahr. Auf die 49,5 Millionen Autos im Land verteilt sind das 83 Euro — einmalig, dann ist das Geld ausgegeben.
Wir haben durchgerechnet, was dieselbe Summe an anderer Stelle kaufen würde. Zum Beispiel 16,4 Millionen Balkonanlagen, das Elffache dessen, was heute in Deutschland hängt. Die erzeugen zusammen rund 10,7 Terawattstunden im Jahr — und zwar zwanzig Jahre lang, nicht drei Monate.
Das ist ungefähr die Menge, die 2024 nicht erzeugt werden durfte, weil das Netz sie örtlich nicht aufnehmen konnte: 9,4 Terawattstunden.
Die eine Menge kostet 4,1 Milliarden Euro. Die andere ist schon gebaut und wartet auf die Erlaubnis, in die Fahrzeuge und Speicher zu fließen, die in genau diesen Stunden angeschlossen sind.
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1. Wem die Konzerne gehören
Der größte Einzelaktionär von RWE ist seit 2023 der Staatsfonds Katars, mit 9,09 Prozent. Bei Volkswagen hält derselbe Fonds 17 Prozent der Stimmrechte und sitzt im Aufsichtsrat. Bei Mercedes ist Kuwait seit 1974 dabei, mit 5,57 Prozent — der Einstieg fiel in die Jahre nach der ersten Ölkrise.
Und im Dezember 2025 hat der Ölkonzern von Abu Dhabi den Leverkusener Kunststoffhersteller Covestro gekauft, für 14,7 Milliarden Euro. Die größte Übernahme eines deutschen Konzerns durch ein arabisches Staatsunternehmen.
Über die Antriebsstrategie eines Herstellers sagen solche Quoten nichts. Sie sagen, wer mitentscheidet.
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2. Der Tag, an dem das sichtbar wurde
Im Juli 2026 wollte ein israelisches Rüstungsunternehmen Bauteile für das Raketenabwehrsystem Iron Dome im VW-Werk Osnabrück fertigen lassen. Für den Standort war das die Aussicht auf eine Zukunft — die eigene Fahrzeugfertigung läuft dort aus, rund 2.300 Arbeitsplätze hängen an der Frage, was danach kommt.
Der katarische Staatsfonds stellte sich quer, wegen der Spannungen zwischen Katar und Israel. Das Vorhaben kam nicht zustande. Die Fertigung soll jetzt in Indien entstehen.
Ein Eigentümer mit 17 Prozent der Stimmen hat seine außenwirtschaftlichen Interessen gegen eine Geschäftsentscheidung durchgesetzt. Wenn das bei einem Rüstungsauftrag geht, ist die Frage berechtigt, wo es sonst geht.
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3. Ein Brief, und ein Gesetz wird kleiner
Im Mai 2025 kündigte Katars Energieminister an, Europa werde „zu 100 Prozent" kein Flüssiggas mehr bekommen, wenn es seine geplanten Sorgfaltspflichten für Unternehmen nicht abschwäche oder streiche. Im Oktober 2025 schrieb er gemeinsam mit dem US-Energieminister an die EU-Staaten.
Im Februar 2026 nahm der Rat die Änderung an. Übrig blieb:
| vorher | nachher | | Sorgfaltspflicht reicht bis | in die Lieferkette | nur zu direkten Zulieferern | | betroffen ab | 1.000 Beschäftigten | 5.000 Beschäftigten und 1,5 Mrd. Euro Umsatz | | Anwendung ab | 2027 | 2029 |
Ob der Brief den Ausschlag gab, steht in keinem Protokoll. Die Forderung wurde gestellt, mit einem Lieferstopp verbunden — und das Ergebnis liegt nah an dem, was gefordert war.
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4. Washington
Der Fonds des Schwiegersohns des US-Präsidenten hat 2 Milliarden Dollar vom saudischen Staatsfonds bekommen — gegen das Votum des eigenen Prüfausschusses, der die Erfahrung für unzureichend und die Gebühren für überhöht hielt. Dazu kamen 1,5 Milliarden aus Katar und Abu Dhabi. Die Trump Organization meldete dem US-Ethikbüro 38 Millionen Dollar Lizenzeinnahmen aus Golf-Projekten.
Und die Beteiligungsgesellschaft Carlyle, die zu 7,5 Prozent Abu Dhabi gehört, kauft gerade das internationale Ölgeschäft von Lukoil. Wirksam wird der Kauf erst, wenn das US-Finanzministerium ihn freigibt.
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5. Was davon bei uns ankommt
Drei Zahlen nebeneinander:
| Laufzeit | | katarische Lieferverträge für neues Flüssiggas | 20 bis 27 Jahre | | Verpflichtung neuer deutscher Gaskraftwerke | 15 Jahre | | aktuelle Lieferfähigkeit aus Katar | Ausfall wegen höherer Gewalt, verlängert bis November |
Am 8. September lief der erste Gebotstermin für neue Gaskraftwerke, 4,5 Gigawatt, überzeichnet. Wer den Zuschlag bekommt, verpflichtet sich für 15 Jahre. „Wasserstofffähig" heißt im Gesetz, dass die Anlage umrüstbar sein muss — ein Datum für die Umrüstung steht nicht drin, eine Mindestmenge und eine Farbe auch nicht.
Gleichzeitig kommt aus Katar seit Februar kaum etwas an: Die Straße von Hormus ist beeinträchtigt, rund 17 Prozent der katarischen Verflüssigungskapazität sind beschädigt, die Reparatur dauert Jahre.
Wir schreiben die Nachfrage für anderthalb Jahrzehnte fest, für ein Angebot, das heute nicht liefert.
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6. Was das Ministerium in Texas vorbereitet hatte
Im März war die Bundeswirtschaftsministerin auf der CERAWeek in Houston, der wichtigsten Konferenz der Öl- und Gasbranche. Die Vorbereitungsunterlagen dazu mussten FragDenStaat, die Deutsche Umwelthilfe und Greenpeace erstreiten: über drei Monate keine Antwort, 500 Euro Höchstgebühr je Anfrage, Herausgabe erst nach einer Untätigkeitsklage. Herausgekommen sind 92 Seiten, umfangreich geschwärzt.
Auf dem Sprechzettel für ExxonMobil steht, deutsche Unternehmen hätten „weiteres Interesse an langfristigen Gaslieferverträgen mit US-LNG-Exporteuren". Dazu ein Rundtisch zu kleinen Atomreaktoren — und für das Podium der Satz „Intermittent renewables cannot power a G7 economy alone."
Was fehlt: sämtliche Gesprächsprotokolle. Am stärksten geschwärzt sind die Passagen zu ExxonMobil und zur EU-Methanverordnung — also zu der Regel, die die Ministerin nach ihrer Rückkehr öffentlich kritisierte. Sprechzettel zeigen, was vorbereitet war, nicht, was vereinbart wurde.
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7. Der Satz, der aus der Autoindustrie selbst kommt
Der Chef von Mercedes-Benz, zugleich Präsident des europäischen Herstellerverbands, empfiehlt der Politik statt eines Enddatums für den Verbrenner etwas anderes: niedrige Strompreise an der Ladesäule und steuerliche Vorteile.
Das ist wörtlich unsere Forderung.
Und sie kostet den Staat nichts. In diesem Jahr lag der Börsenpreis in 446 Stunden unter null Cent. Strom war im Überfluss da, und niemand wurde dafür bezahlt, ihn zu verbrauchen. Es fehlt eine Abrechnungsregel, die diese Stunden bis zur Ladesäule durchreicht — genau darum geht es bei unserem Vorschlag zum § 13k. Dafür muss niemand ein Kraftwerk bauen und keine Leitung ziehen.
Dafür braucht es keinen Anteilseigner mit 17 Prozent der Stimmen und keine Freigabe aus Washington.
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Wer glaubt, die fossile Wirtschaft ziehe sich von selbst zurück, sollte einen Blick auf die Vertragslaufzeiten werfen. Diese Mail weiterleiten reicht.
Sonnige Grüße, das Ladefreunde-Team
❦ Energiewende er-fahrbar machen! Und ladeFreun.de ein!
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