Hallo zusammen,
im Bundestag liegt seit Donnerstag ein Gesetzespaket — die EEG-Novelle und das Netzpaket. Eine der zentralen Regelungen begrenzt neue Solaranlagen auf dem Dach dauerhaft auf die Hälfte ihrer Einspeiseleistung. Begründet wird das mit der Mittagsspitze.
Wir haben uns diesen Sommer genau angesehen — alle 9.784 Viertelstunden, Erzeugung und Preise. Fünf Befunde, die zusammengehören.
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1. Die Mittagsspitze ist echt
Um 13 Uhr speisen Deutschlands Solaranlagen an Sommertagen im Mittel 42,4 Gigawatt ein. Der höchste Wert des Sommers lag bei 58,5 — so viel, wie das ganze Land an einem Sommermittag ungefähr verbraucht. Um 20 Uhr sind es anderthalb Gigawatt.
Was dabei zu viel ist, sieht man am Preis: In 794 Viertelstunden dieses Sommers war er negativ, Schwerpunkt zwischen 11 und 16 Uhr. Es wurde also dafür bezahlt, dass jemand den Strom abnimmt.
Der Überschuss ist real. Nur wächst er nicht: Der Anteil negativer Viertelstunden ist gegenüber dem Vorjahr gesunken, von 9,5 auf 8,1 Prozent.
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2. Deshalb ist Sonnenstrom nur die Hälfte wert
Wenn alle Solaranlagen gleichzeitig liefern und zu wenig da ist, das nimmt, fällt der Preis genau dann, wenn sie verkaufen.
In Zahlen: Der Durchschnittspreis liegt in diesem Jahr bei 10,4 Cent. Solarstrom erzielt 5,3 Cent — 51 Prozent. Diesen Abschlag bezahlt am Ende das EEG, also der Bundeshaushalt.
Und darin steckt ein Hebel, der im Gesetzentwurf nicht vorkommt: Bei 70 Terawattstunden Solarstrom im Jahr ist ein Cent mehr Marktwert rund 700 Millionen Euro. Er steigt, sobald mittags jemand abnimmt.
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3. Gespart wird am billigsten Teil
Eine Solaranlage von 2004 bekommt 57 Cent je Kilowattstunde, zwanzig Jahre lang. Eine von heute bekommt 7,78.
Was die Förderung wirklich kostet, ist die Differenz zum Marktwert: bei der alten Anlage rund 52 Cent, bei der neuen rund 2,4. Faktor zwanzig. Die teuren Jahrgänge fallen von selbst heraus — der erste Ende 2024.
Gestrichen wird die Vergütung für die neuen.
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4. Und der Ersatz?
Statt fester Vergütung soll ab 2027 auch die kleine Dachanlage ihren Strom selbst vermarkten. Dafür braucht jede einzelne einen digitalen Zähler, funktionierende Datenflüsse über drei Unternehmen und einen Vermarkter, der sie annimmt.
In Deutschland sind 5,5 Prozent der Stromzähler digital.
Und die Rechnung für ein normales Dach: Eine Acht-Kilowatt-Anlage bringt rund 300 Euro im Jahr. Bis zu 100 Euro gehen nach dem Messstellenbetriebsgesetz an Zähler und Steuerbox — bevor der Vermarkter seine Gebühr nimmt. Die Beträge sind je Zähler gedeckelt, nicht je Kilowattstunde: Beim Solarpark ist das ein Rundungsfehler, beim Einfamilienhaus ein Drittel.
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5. Die Mengen gehen aufs Feld — dorthin, wo der Anschluss fehlt
Vier Gigawatt Zubau sollen jedes Jahr vom Dach auf die Freifläche wandern, begründet mit den niedrigeren Kosten großer Anlagen. Diese Rechnung endet am Zaun.
Danach kommt der Netzanschluss: 720 Gigawatt an Anträgen sind bundesweit offen, bei 263 Gigawatt, die tatsächlich installiert sind. Netzbetreiber nennen Wartezeiten von drei bis sieben Jahren. Eine Dachanlage braucht davon nichts — ihr Anschluss ist gebaut und bezahlt, und ihr Strom bleibt zu 80 bis 90 Prozent im Ortsnetz.
Und wer auf dem Feld baut und dort abgeregelt wird, soll künftig auf die Entschädigung verzichten: bis zu 20 Prozent der Jahreserzeugung, bis zu sechs Jahre.
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Zwei Antworten, und nur eine steht im Gesetz
Auf 42 Gigawatt um eins gibt es zwei Antworten. Die eine heißt kappen: Was nicht eingespeist werden darf, belastet kein Kabel. Sie wirkt — nur entsteht die Kilowattstunde dann eben nicht, und die Grenze gilt am Hausanschluss, trifft also auch Speicher und Autos, die rückspeisen können.
Die andere heißt nehmen. Was sie wert wäre, steht in denselben Daten: Zwischen 12 und 15 Uhr kostete Strom in diesem Sommer im Mittel 3,2 Cent, zwischen 19 und 22 Uhr 19,5. Jede Kilowattstunde, die vom Mittag in den Abend wandert, ist im System rund sechzehn Cent wert — ohne dass jemand ein Kraftwerk baut.
Mittags ist der Strom im Überfluss da. Mittags stehen die Autos. Und keine der fünf Regelungen sorgt dafür, dass mittags jemand nimmt.
Das ist die Lücke, an der wir seit zwei Jahren arbeiten: Der Strom ist da. Es fehlt die Erlaubnis, ihn zu nehmen.
Was ihr tun könnt. Die erste Lesung ist in der Woche ab dem 21. September, beschlossen werden soll bis Ende Oktober. Bis dahin ist der Text änderbar, und eine kurze Mail an die Abgeordneten des eigenen Wahlkreises wirkt jetzt mehr als später. Zwei Sätze genügen:
„Die geplante Begrenzung auf 50 Prozent gilt am Hausanschluss und trifft damit auch Speicher und bidirektional ladende Autos. Bitte setzen Sie sich dafür ein, dass Anlagen mit intelligentem Messsystem davon ausgenommen werden."
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Für alle, die gerade planen
Ein Datum aus demselben Entwurf: Wer eine Solaranlage bis zum 31. Dezember 2026 in Betrieb nimmt, bleibt im heutigen Vergütungsmodell — zwanzig Jahre. Wer später baut, fällt unter die neuen Regeln. Das steht so im Text; wer ohnehin plant, sollte es kennen.
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Noch bis Donnerstag
Die Konsultation zur neuen Netzentgeltsystematik (AgNes) endet am 18. September. Über die Mitmachseite sind bisher mehr als hundert Stellungnahmen fertig geworden. Wer noch mitschreiben will, hat dieses Wochenende.
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Weitergeben
Der wirksamste Schritt kostet nichts: diese Mail an jemanden weiterleiten, der eine Solaranlage hat oder plant.
Sonnige Grüße, das Ladefreunde-Team
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