KfW 440 — wie fast 700.000 geförderte Wallboxen den Bidi-Start ausbremsen
Wie fast 700.000 geförderte Wallboxen den Bidi-Start ausbremsen
Foto: Eine private Wallbox an der Hauswand — via Wikimedia Commons — CC BY-SA 4.0 / Matti Blume
Es klang nach einer guten Idee — und für den Moment war es auch eine. Zwischen November 2020 und Oktober 2021 verteilte der Staat über das KfW-Programm „Zuschuss 440 — Ladestationen für Elektroautos" 900 Euro pro privater Wallbox. Der Topf war so beliebt, dass er nach gut elf Monaten leer war.
Die Bilanz aus der Abschlussauswertung der KfW liest sich beeindruckend: 974.449 Ladepunkte wurden beantragt, 689.980 davon tatsächlich gefördert. Der Rest ging leer aus — Geräte waren nicht lieferbar, Elektriker fehlten, oder der Ökostrom-Nachweis blieb aus. Ausgezahlt wurden am Ende rund 620 Millionen Euro von 800 bereitgestellten.
Fast 700.000 geförderte Ladepunkte in elf Monaten — das ist ein Erfolg. Und genau hier beginnt eine Geschichte über die Langzeitwirkung von Förderpolitik.
Der blinde Fleck in den Förderbedingungen
Die Bedingungen waren klar umrissen: 11 kW Wechselstrom (AC), intelligent steuerbar, Strom aus erneuerbaren Quellen. Eine Anforderung fehlte: bidirektionales Laden. Keine der geförderten Boxen musste rückspeisefähig sein — also Strom nicht nur ins Auto laden, sondern ihn bei Bedarf auch wieder ins Haus oder ins Netz zurückgeben können.
2020 war das nachvollziehbar. Bidi-fähige Hardware gab es erst in Konzepten, sie war teurer, und die technischen Standards waren noch nicht fertig. Der Staat förderte den günstigsten verfügbaren Stand der Technik — und schrieb ihn damit für ein halbes Jahrzehnt fest.
Warum das heute bremst
Bidirektionales Laden ist 2026 keine Zukunftsmusik mehr. Die EnWG-Novelle vom November 2025 hat die entscheidende wirtschaftliche Hürde beseitigt: Strom, den ein Auto ins Netz zurückspeist, wird nicht länger wie neuer Verbrauch mit Netzentgelten belastet. Seit Februar 2026 gibt es mit BMW und E.ON das erste offizielle Vehicle-to-Grid-Angebot in Deutschland. Die Technik ist da, die Regeln sind da.
Was fehlt, ist die passende Hardware in den Einfahrten. Eine reine AC-Ladebox mit 11 kW lässt sich in aller Regel nicht per Software-Update zum Rückspeisen überreden — dafür fehlt ihr schlicht die Leistungselektronik, die aus dem Gleichstrom des Akkus wieder netzkonformen Wechselstrom macht. Wer 2021 mit Förderung eine Wallbox an die Wand geschraubt hat, kauft in den nächsten fünf bis zehn Jahren keine zweite.
Der Markt für bidirektionale Geräte ist damit genau um die Zahl der geförderten Altgeräte kleiner. Fast 700.000 Haushalte, die erst beim nächsten Generationenwechsel überhaupt für Bidi in Frage kommen — finanziert mit Steuergeld, das den Umstieg heute eher erschwert als erleichtert.
Eine Rechnung zum Staunen
Was läge da brach? Wären die rund 690.000 geförderten Wallboxen rückspeisefähig, könnten sie bei je 11 kW rechnerisch etwa 7,6 Gigawatt abrufen — in der Größenordnung der gesamten deutschen Pumpspeicher-Flotte, die zusammen auf gut 9 Gigawatt kommt. Anders gesagt: In den Einfahrten der Republik steht eine Speicherreserve, die es mit den größten Stromspeichern des Landes aufnehmen könnte — wenn die Geräte rückspeisen könnten.
Dazu kommt: Die durchschnittliche private Wallbox steht den ganz überwiegenden Teil des Tages ungenutzt. Genau diese Standzeit wäre die Zeitachse, in der ein Auto dem Netz dienen könnte — abends einspeisen, wenn der Strom knapp ist, mittags laden, wenn Wind und Sonne ihn ins Negative drücken.
Die Lehre — und was jetzt zählt
Das KfW-440-Programm ist kein Skandal. Es ist ein Lehrstück darüber, wie eine gut gemeinte Förderung eine Weiche stellt, die noch Jahre nachwirkt. Wer Hardware fördert, fördert den Standard von heute — und macht den Standard von morgen teurer.
Für den jetzt anlaufenden Bidi-Markt heißt das: Es braucht entweder eine Nachrüst-Perspektive oder Geduld für den Generationenwechsel über acht bis zehn Jahre. Und es braucht etwas, das schon heute auf jeder dieser Boxen funktioniert.
Was §13k schon heute löst
Hier kommt unsere Forderung ins Spiel. Die zeitliche Erweiterung des §13k EnWG zielt nicht auf das Rückspeisen, sondern auf das Verschieben der Last: In den Stunden, in denen Wind und Sonne den Börsenpreis ins Negative drücken, soll der Strom an der Ladesäule nutzbar werden.
Das Schöne daran: Lastverschiebung funktioniert auf genau diesen AC-Wallboxen — sie sind ja intelligent steuerbar, das war Förderbedingung. Das Marktsignal „jetzt ist Strom im Überfluss da" kann eine 11-kW-Box in einer Richtung schon heute annehmen: mehr laden, wenn der Strom sonst abgeregelt würde. Der volle Bidi-Schritt — das Auto als rollender Speicher — kommt dann, wenn die Hardware-Basis es trägt.
Erst nutzen, dann speichern. Den ersten Schritt können fast 700.000 geförderte Boxen schon mitgehen — wenn das Preissignal sie endlich erreicht.
Quellen
- KfW-Abschlussauswertung „Zuschuss 440" (974.449 beantragt / 689.980 gefördert / ~620 Mio. € ausgezahlt) — Elektroauto-News.net, electrive (Programmstopp 27.10.2021)
- EnWG-Novelle November 2025, Ende der Doppelbelastung bei Netzentgelten — Solarserver
- Erstes offizielles V2G-Angebot Deutschlands (BMW/E.ON, ab Feb. 2026) — BMW Group PressClub
- Deutsche Pumpspeicher-Leistung (~9,4 GW) — Wikipedia: Liste von Pumpspeicherkraftwerken
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