Von 0,59 auf 2,99 und zurück auf null
Drei Zahlen erzählen diese Geschichte.
0,59 Euro je Megawattstunde — so hoch war die Gasspeicherumlage, als sie am 1. Oktober 2022 eingeführt wurde. 2,99 Euro waren es zum 1. Januar 2025, dem Höchststand. Null sind es seit dem 1. Januar 2026, weil die Umlage abgeschafft wurde.
Dazwischen liegen rund 11,2 Milliarden Euro an Kosten und die Frage, wer sie bezahlt.
Foto: Infozentrum am Kavernenstandort Etzel — in solchen Salzkavernen liegt ein Großteil des deutschen Speichergases — via Wikimedia Commons — CC BY-SA 4.0 / Armin Garbe
Was Deutschland an Speichern hat
Das nutzbare Speichervolumen liegt bei 24,6 Milliarden Kubikmetern, nach Verbandsangaben bis zu 254,8 Milliarden Kilowattstunden Arbeitsgas. Das ist die größte Kapazität der Europäischen Union — etwa ein Viertel aller EU-Reserven liegt in Deutschland. Weltweit steht das Land auf Rang vier, hinter den USA, der Ukraine und Russland.
Ein Teil davon sind Salzkavernen, ausgespülte Hohlräume in Salzstöcken, vor allem in Niedersachsen. Der andere Teil sind Porenspeicher: ausgeförderte Erdgasfelder, in die Gas zurückgepresst wird. Der größte von ihnen ist Rehden, und der hat eine eigene Geschichte.
Die Funktion ist immer dieselbe. Im Sommer einlagern, im Winter abrufen. Das funktioniert, solange die Differenz zwischen Sommer- und Winterpreis die Kosten deckt.
Warum es die Umlage gab
2022 funktionierte es nicht. Die Speicher waren im Frühjahr ungewöhnlich leer, die russischen Lieferungen brachen im Sommer weg, und gefüllt werden musste trotzdem — gesetzlich vorgeschrieben, in wenigen Monaten, zu Preisen, die zeitweise ein Vielfaches des Üblichen erreichten.
Den Auftrag bekam Trading Hub Europe, die Marktgebietsverantwortliche für das deutsche Gasnetz. Bis Ende September 2022 hatte das Unternehmen nach eigenen Angaben rund 8 Milliarden Euro für Gas ausgegeben.
Bezahlt wurde das über einen Aufschlag auf jede Kilowattstunde, die durch das Netz zu den Verbrauchsstellen ging: die Gasspeicherumlage.
Foto: Die Umschlaganlage Voslapper Groden in Wilhelmshaven im Juli 2022 — im selben Sommer, in dem die Speicher gefüllt wurden — via Wikimedia Commons — CC0 / Rhetos
Die Karriere einer Umlage
| Ab | Höhe |
|---|---|
| 1. Oktober 2022 | 0,59 €/MWh |
| 1. Januar 2023 | 0,59 €/MWh |
| 1. Juli 2023 | 1,45 €/MWh |
| 1. Januar 2024 | 1,86 €/MWh |
| 1. Juli 2024 | 2,50 €/MWh |
| 1. Januar 2025 | 2,99 €/MWh |
| 1. Juli 2025 | 2,89 €/MWh |
| 1. Januar 2026 | entfallen |
Auffällig ist der Verlauf: Die Umlage stieg, während die Krise abklang. Der Grund liegt in der Mechanik. Das Gas wurde 2022 teuer eingekauft und später zu normalisierten Marktpreisen verkauft. Die Differenz blieb als Fehlbetrag auf dem Umlagekonto stehen — und je billiger das Gas wurde, desto größer wurde die Lücke, die über die Umlage ausgeglichen werden musste.
Die Gesamtrechnung für den Bewertungszeitraum bis zum 31. März 2027 beläuft sich auf 11.241,9 Millionen Euro.
Wer sie bezahlt hat
Die Umlage lag auf jeder Kilowattstunde Gas, die an Letztverbraucher geliefert wurde. Auf der Rechnung eines Haushalts mit Gasheizung tauchte sie als eigener Posten auf; bei Fernwärme steckte sie im Arbeitspreis.
Dem Volumen nach lag der größere Teil aber woanders: Rund zwei Drittel der deutschen Gasmenge gehen an Großabnehmer — Chemie, Glas, Papier, Metall. Entsprechend verteilt sich auch die Entlastung durch den Wegfall: von den über drei Milliarden Euro pro Jahr entfallen rund zwei Milliarden auf diese Gruppe.
Was das für einen einzelnen Haushalt bedeutete, lässt sich ausrechnen. Ein Haushalt mit 15.000 Kilowattstunden Gasverbrauch im Jahr zahlte beim Höchstsatz von 2,99 Euro je Megawattstunde rund 45 Euro an Umlage, zuzüglich Umsatzsteuer. Bei der Einführung 2022 waren es keine neun Euro.
Foto: Gaszähler an einer Hauswand — hier wurde die Umlage abgelesen und abgerechnet — via Wikimedia Commons — CC BY-SA 4.0 / Downtowngal
Was die Abschaffung verändert hat
Am 18. September 2025 beschlossen Bundestag und Bundesrat das Ende der Umlage zum 1. Januar 2026. Auf der Rechnung verschwand damit ein Posten.
Der Fehlbetrag verschwand nicht. Der Restsaldo des Umlagekontos zum 31. Dezember 2025 — rund 3,4 Milliarden Euro — wird vom Bund übernommen, aus dem Klima- und Transformationsfonds. Damit wandert die Rechnung von der Gasrechnung in den Haushalt. Ob ein Fonds für Klima und Transformation der richtige Topf für die Befüllung von Erdgasspeichern ist, ist eine eigene Frage — sie steht im nächsten Beitrag dieser Reihe.
Geblieben sind zwei kleinere Posten: die Konvertierungsumlage von 0,18 Euro je Megawattstunde, mit der die Umrechnung zwischen zwei Gasqualitäten bezahlt wird, und die Bilanzierungsumlage, die bei null steht.
Und geblieben ist die Aufgabe. Die Speicher müssen gefüllt werden, damit im Winter etwas da ist. Nur gibt es dafür seit Januar keinen eigenen Finanzierungsweg mehr — wenn der Markt es nicht bezahlt, zahlt es der Haushalt oder niemand. Am 5. September 2026 waren die deutschen Speicher zu rund 56 Prozent gefüllt, der größte einzelne Speicher zu 9,1 Prozent.
Was das mit unserer Petition zu tun hat
Jede dieser Rechnungen beginnt beim Verbrauch. Je mehr Gas im Winter gebraucht wird, desto voller müssen die Speicher im Sommer sein, und desto größer ist der Betrag, der irgendwo aufschlägt — als Umlage, als Haushaltsposten oder als Preis.
Ein Teil dieses Verbrauchs ist Stromerzeugung. Und dort liegt ein Hebel, der heute ungenutzt bleibt: Im Jahr 2024 wurden 9.374 Gigawattstunden Wind- und Solarstrom abgeregelt; im Jahr 2025 gab es an 1.970 Stunden Abregelung in mindestens einer Netzzone, also in mehr als einem Fünftel aller Stunden des Jahres.
Der bestehende § 13k EnWG („Nutzen statt Abregeln") erlaubt es, in genau diesen Stunden zusätzlichen Verbrauch zuzuschalten. Dafür fehlt eine Festlegung der Bundesnetzagentur, die das Preissignal an die Verbrauchsorte durchreicht — an die Schnellladesäule wie an die Wallbox. In den Stunden, in denen heute Windräder abgeregelt werden, kostet Laden dann nichts.
Jede Kilowattstunde, die dorthin wandert, ersetzt einen Anteil Gasverstromung. Das ist die eine Position in dieser Rechnung, die sich ohne Umlage und ohne Haushaltsmittel senken lässt.
→ Petition zeichnen · Hintergrund-Dokument · Woher das Gas in der Heizung kommt
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Von 0,59 auf 2,99 und zurück auf null
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