Ladefreunde-Blog · Kommentar

Alternativen für Deutschland

20. September 2026 10 min Lesezeit Ladefreunde-Blog

Gemeint sind Alternativen zum Tankrabatt. 4,1 Milliarden Euro gibt der Bund 2026 für zwei befristete Steuersenkungen an der Zapfsäule aus. Hier steht, was dieselbe Summe an anderer Stelle gekauft hätte — und warum der wirksamste Posten in dieser Rechnung gar nichts kostet.

Die Summe, um die es geht

Maßnahme Zeitraum Kosten
Erster Tankrabatt 1. Mai – 30. Juni 2026 rund 1,6 Mrd. €
Zweiter Tankrabatt 1. Oktober – 31. Dezember 2026 2,5 Mrd. €
Summe 2026 fünf Monate 4,1 Mrd. €

Zum 1. Januar 2026 waren in Deutschland 49,49 Millionen Pkw zugelassen. Die 4,1 Milliarden auf diese Fahrzeuge verteilt sind 83 Euro je Auto — einmalig, für fünf Monate.

Ankommen wird auch das nicht vollständig. Beim ersten Durchgang im Mai und Juni erreichten nach Berechnungen des ifo-Instituts beim Diesel 12 von 16,7 Cent die Zapfsäule; der Rest blieb in der Kette davor. Ein weiterer Teil der verbilligten Menge geht an Lkw und Gewerbe, nicht an Haushalte. Und wer kein Auto hat, bekommt nichts.

Am 31. Dezember läuft die Maßnahme aus. Danach ist der Preis wieder da, wo er war, und das Geld ist ausgegeben.

Die folgenden drei Rechnungen nehmen dieselben 4,1 Milliarden und fragen, was an anderer Stelle dafür zu haben wäre. Alle Annahmen stehen offen dabei. Es sind Rechnungen, keine Forderungen — was wir fordern, steht weiter unten, und es kostet nichts.

Erste Rechnung: 16 Millionen Balkonanlagen

Zwei Solarmodule an der Brüstung eines Wohnhausbalkons

Foto: Ein Steckersolargerät an einem Balkon in Tauberbischofsheim — via Wikimedia Commons — CC BY-SA 4.0 / Triplec85

Ein Steckersolargerät mit 800 Watt kostet als Komplettset zwischen 250 und 500 Euro. Gerechnet mit dem unteren Ende der Spanne ergeben 4,1 Milliarden Euro 16,4 Millionen Geräte.

Zur Einordnung: Im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur waren im September 2026 1,49 Millionen solcher Geräte als in Betrieb gemeldet, zusammen 1,619 Gigawatt. Die Rechnung entspricht also dem Elffachen des heutigen Bestands — und erreicht damit vier von zehn der 41,1 Millionen Haushalte in Deutschland.

Ein nach Süden ausgerichtetes Gerät erzeugt im Jahr 600 bis 900 Kilowattstunden. Mit dem vorsichtigen Wert von 650 kWh und einem Eigenverbrauchsanteil von 60 Prozent spart ein Haushalt bei 35 Cent je Kilowattstunde rund 136 Euro im Jahr. Die Anschaffung hat sich nach knapp zwei Jahren bezahlt; die Module halten 20 bis 25 Jahre.

Das ist der eigentliche Unterschied zum Tankrabatt. Die eine Maßnahme bringt einem Haushalt einmalig 83 Euro und endet am 31. Dezember. Die andere bringt ihm jedes Jahr rund 136 Euro, zwei Jahrzehnte lang.

Für Mieter ist der Weg seit dem 17. Oktober 2024 offen: § 554 BGB gibt ihnen einen einklagbaren Anspruch auf die Erlaubnis; der Vermieter muss die Ablehnung auf die konkrete Wohnung stützen.

Zweite Rechnung: 4,1 Millionen kleine Speicher

Wandmontierte Batteriespeicher für Wohngebäude

Foto: Batteriespeicher in der Größe, um die es hier geht — via Wikimedia Commons — CC0 / Yan lance

Ein Steckerspeicher mit 5 Kilowattstunden ist im Handel ab rund 1.000 Euro zu haben. Wie oben bei den Modulen ist das der Aktionspreis am unteren Rand einer Spanne, die üblicherweise zwischen 1.300 und 1.800 Euro liegt. Mit 1.000 Euro gerechnet ergeben 4,1 Milliarden Euro 4,1 Millionen Einheiten — zusammen 20,5 Gigawattstunden.

Auch hier die Einordnung: Ende 2025 standen in Deutschland 2,35 Millionen Heimspeicher mit zusammen 26 Gigawattstunden. Die Rechnung legt also vier Fünftel des gesamten Bestands noch einmal obendrauf.

Das Gerät würden wir an eine Bedingung knüpfen: an einen dynamischen Stromtarif, also einen Vertrag, dessen Preis sich stündlich nach der Börse richtet. Dann verschiebt der Speicher morgens und abends jeweils einen Teil seiner Ladung aus den teuersten in die billigsten Stunden. Bei rund 2.000 so verschobenen Kilowattstunden im Jahr und angenommenen 10 Cent Unterschied sind das etwa 200 Euro — die Anschaffung hat sich nach fünf Jahren bezahlt. Das ist später als bei der ersten Rechnung, und der Posten ist trotzdem der nützlichere.

Denn der größere Teil des Nutzens liegt im Netz. Diese 20,5 Gigawattstunden ständen genau auf der Ebene, auf der es eng wird: in der Niederspannung, wo sämtlichen Solaranlagen eines Netzstrangs zusammen nur drei Prozentpunkte des erlaubten Spannungsbands zur Verfügung stehen. Ist der Spielraum aufgebraucht, regeln die Wechselrichter ab. Ein Speicher im selben Strang nimmt genau diesen Überschuss auf. Wie das im Einzelnen funktioniert, steht in Was im Trafohäuschen passiert.

Hier hängt ein zweites Anliegen dran, für das wir über § 13k hinaus eintreten. Seit dem 1. Juni 2026 dürfen Nachbarn Strom miteinander teilen — § 42c EnWG setzt Artikel 15a der europäischen Strommarktrichtlinie um. Der entscheidende zweite Schritt fehlt aber: Geteilter Strom bezahlt heute die Netzentgelte und Umlagen sämtlicher Spannungsebenen, auch wenn er physikalisch nur ein paar Meter weit fließt. Richtig wäre der Grundsatz, dass bezahlt wird, was benutzt wird: Wer in der Niederspannung erzeugt und in der Niederspannung verbraucht, bezahlt die Niederspannung — und nicht die Höchstspannungsleitung, an der sein Strom nie vorbeikommt. Für einen Haushalt mit Balkonanlage und Speicher greifen dann alle drei Posten ineinander: Er erzeugt selbst, er verschiebt selbst, und der Anteil, der den eigenen Strang nie verlässt, würde ihn auch nur den eigenen Strang kosten.

Dritte Rechnung: ein Speicher an jedem achten Trafohäuschen

Batteriespeicher-Anlage in Containerbauweise am Rand eines Umspannwerks

Foto: Ein Batteriespeicher in Dresden-Süd — via Wikimedia Commons — CC BY 4.0 / Bybbisch94

In Deutschland stehen rund 570.000 Ortsnetzstationen — die Trafohäuschen am Straßenrand, an denen die Mittelspannung auf die 400 Volt heruntergesetzt wird, die im Haus ankommen.

Ein Speicher mit 100 Kilowattstunden kostet schlüsselfertig, mit Wechselrichter, Steuerung und Netzanschluss, zwischen 50.000 und 75.000 Euro. Mit 60.000 Euro gerechnet ergeben 4,1 Milliarden Euro rund 68.000 Speicher — einen an jedem achten Trafohäuschen, zusammen 6,8 Gigawattstunden.

Ein Speicher an dieser Stelle kann drei Dinge, die 4,1 Millionen einzelne Geräte in den Wohnungen nicht können.

Er hilft allen am selben Strang. Auch den Haushalten ohne Balkon, ohne Südseite, ohne geeigneten Platz. Wer zur Miete im vierten Stock nach Norden wohnt, hat von der zweiten Rechnung nichts — vom Speicher am Trafohäuschen hat er etwas.

Er braucht weniger Kapazität als die Summe der Einzelgeräte. Die Spitzen von vierzig Haushalten fallen nicht auf dieselbe Minute. Was jeder für sich vorhalten müsste, hält ein gemeinsames Gerät in kleinerer Menge vor. Das ist dieselbe Durchmischung, mit der Netze seit jeher geplant werden.

Er steht dort, wo der Netzbetreiber messen und eingreifen kann — am Übergang des Niederspannungsstrangs auf die Mittelspannung. Fläche, Zuleitung und Mittelspannung sind vorhanden, ein neuer Anschluss ist nicht nötig.

Eine Anregung zur Beschaffung gehört dazu: Die Zellen müssen weder neu noch von weit her sein. Eine Antriebsbatterie fällt für das Auto lange aus, bevor sie als Speicher unbrauchbar ist — sie ist dann nur zu schwer und zu groß für ihren ersten Zweck. In einem Container neben dem Trafohäuschen spielt beides keine Rolle. EnBW und Audi betreiben in Heilbronn einen stationären Speicher aus zwölf ausgemusterten Fahrzeugbatterien mit einem Megawatt; EnBW rüstet den Solarpark Rot an der Rot mit zwei solchen Anlagen aus. Wo neue Zellen nötig sind, sollten sie aus europäischer Fertigung kommen — das ist eine Frage der Versorgungssicherheit, und das Geld bleibt in der Wirtschaft, die es aufbringt.

Der Gedanke, den wir an dieser Stelle vertreten, bleibt dennoch der kleinere: keine neue oder erneuerte Ortsnetzstation mehr ohne vorbereiteten Platz für einen Speicher — Fläche, Fundament, Anschlussvorbereitung, damit später niemand ein zweites Mal aufgraben muss. Was diese Vorbereitung je Station kostet, ist öffentlich nicht ausgewiesen; die eine Zahl, die wir dazu belegen können, ist eine andere: Eine einfache Messung am Transformator kostet nach einer Untersuchung für einen mittleren Netzbetreiber rund 11.000 Euro je Station über acht Jahre. Die 4,1 Milliarden entsprechen 7.200 Euro je Station. Ausgeführt ist dieser Gedanke in Der Platz neben dem Trafohäuschen — dort steht er, wie hier, zur Diskussion und nicht im Forderungskatalog, solange ungeklärt ist, wer so einen Speicher betreiben darf und wer ihn bezahlt.

Und der Posten, der nichts kostet

Die drei Rechnungen haben eines gemeinsam: Sie kosten Geld. Die Maßnahme, für die wir seit Jahren streiten, tut das nicht.

2024 wurden in Deutschland 9,4 Terawattstunden Strom aus Wind und Sonne nicht erzeugt, weil das Netz sie örtlich nicht aufnehmen konnte — 4,56 aus Offshore-Wind, 3,38 aus Onshore-Wind, 1,39 aus Photovoltaik. Für diese nicht erzeugte Menge zahlten die Stromkunden über die Netzentgelte 554 Millionen Euro Entschädigung. Das gesamte Engpassmanagement kostete 2024 zwischen 1,7 und 2 Milliarden Euro, 2025 waren es 3,071 Milliarden. 2025 gab es in 1.970 von 8.760 Stunden Mengen, die niemand abnahm.

Jetzt der Vergleich, auf den alles zuläuft: Die 16,4 Millionen Balkonanlagen aus der ersten Rechnung erzeugten zusammen rund 10,7 Terawattstunden im Jahr. Das ist ungefähr die Menge, die 2024 nicht erzeugt werden durfte.

Die eine Menge kostet 4,1 Milliarden Euro. Die andere ist schon gebaut. Ihr fehlt nur die Erlaubnis, in den Stunden des Überschusses in Fahrzeuge und Speicher zu fließen, die in genau diesen Stunden ohnehin angeschlossen sind. Die Regel dafür hat einen Namen: § 13k EnWG. Sie ist ausgearbeitet, sie kostet den Haushalt nichts, und sie senkt die Netzentgelte für alle Stromkunden, weil die Entschädigungszahlungen entfallen.

In den vier Gesetzentwürfen des Energiepakets, die derzeit im Bundestag liegen, kommen „13k", „Nutzen statt Abregeln", „zuschaltbare Last" und „Aggregator" kein einziges Mal vor. Geprüft haben wir das am 18. September im Volltext.

Was diese Rechnungen nicht sind

Vier Einschränkungen, ohne die die Zahlen oben mehr behaupten, als sie hergeben.

Die Preise liegen am unteren Rand. 250 Euro je Steckersolargerät ist der günstigste Punkt einer Spanne bis 500 Euro; mit 350 Euro gerechnet wären es 11,7 statt 16,4 Millionen Geräte. Für den 5-kWh-Speicher gilt dasselbe: 1.000 Euro ist ein Aktionspreis, üblich sind 1.300 bis 1.800 Euro. Mit 1.500 Euro gerechnet wären es 2,7 statt 4,1 Millionen Einheiten.

Lieferbar wäre das in einem Jahr nicht. 16,4 Millionen Geräte sind 13 Gigawatt; der gesamte heute gemeldete Bestand liegt bei 1,6 Gigawatt, aufgebaut über Jahre. Eine solche Menge verteilt sich über mehrere Jahre, oder sie treibt die Preise, mit denen hier gerechnet wurde.

Nicht jeder Haushalt hat den Platz. Nordbalkon, Verschattung, kein Außenbereich — die 16,4 Millionen sind eine Kaufmenge, keine Aussage darüber, wo die Geräte hängen könnten.

Und eine Anschaffungsförderung bleibt eine Subvention. Der Unterschied zum Tankrabatt liegt in der Dauer der Wirkung: Das eine ist nach fünf Monaten aufgebraucht, das andere erzeugt zwanzig Jahre lang Strom. Von dieser Einschränkung frei ist allein der letzte Posten dieses Textes — § 13k setzt eine Regel, und die kostet den Haushalt nichts.

ladefreun.de — wofür wir streiten, in fünf Minuten.

Quellen

Zum Weiterlesen

Du willst „Nutzen statt Abregeln"?

Zeichne die Petition — jede Stimme zählt. Wir brauchen sie schnell, bevor der Tankrabatt verlängert und unser Vorschlag übersehen wird.

Petition zeichnen →

Was sagst du dazu?

Widerspruch, Ergänzung, eine Zahl, die nicht stimmt, eine Frage, die offen bleibt — schreib es uns. Wir lesen jede Rückmeldung, und sie ändert unsere Texte.

Deine Rückmeldung bezieht sich auf
Alternativen für Deutschland
https://ladefreun.de/blog/226-alternativen-fuer-deutschland/
0 / 4000

Die Rückmeldung geht als E-Mail an uns, zusammen mit dem Titel dieses Beitrags. Name und Adresse sind freiwillig; ohne Adresse können wir nicht antworten. Kommen zu einem Beitrag mehrere gehaltvolle Rückmeldungen zusammen, fassen wir den fachlichen Austausch daraus sinngemäß zusammen und stellen ihn unter den Beitrag — ohne Namen, ohne Adressen, ohne Datum. Wenn du das nicht möchtest, schreib es dazu. Geht das Formular nicht, schreib direkt an feedback@ladefreun.de.

Angekommen — danke. Wir lesen mit, und wenn du eine Adresse hinterlassen hast, melden wir uns.

Newsletter abonnieren? Hier auf der Startseite mit deiner E-Mail-Adresse.