Ladefreunde-Blog · Medienkritik und Einordnung

Dreiundzwanzig Befunde in 68 Minuten

17. September 2026 28 min Lesezeit Ladefreunde-Blog

Dreiundzwanzig Befunde in 68 Minuten

Eingang des WDR-Funkhauses am Wallrafplatz in Köln

Foto: Der Eingang des WDR-Funkhauses am Wallrafplatz in Köln — via Wikimedia Commons — CC BY-SA 4.0 / Raimond Spekking

Am 5. September 2026 hat der WDR eine Folge seines Wissenschaftsformats Quarks Science Cops veröffentlicht: „Scheitert die Energiewende wirklich am Batteriespeicher?", Folge 133, 68 Minuten, bis heute rund 148.500 Aufrufe. Das Format verspricht, wissenschaftlichen Unfug aufzudecken. Am Ende werden Politiker „festgenommen", die behaupten, man könne Strom aus Sonne und Wind nicht über längere Zeit speichern.

Die Schlussfolgerung der Folge ist richtig. Es geht. Wir sagen das gleich am Anfang, weil davon der Rest nicht abhängt.

Wir haben die Folge trotzdem durchgeprüft, Satz für Satz, und dabei dreiundzwanzig Befunde gefunden. Der Reihenfolge liegt eine Beobachtung zugrunde: Das Problem beginnt nicht bei den Zahlen. Es beginnt bei den Wörtern. Die Folge übernimmt in den ersten Minuten das Vokabular derer, die sie widerlegen will, und danach kann sie bestimmte Dinge nicht mehr sehen. Deshalb fangen wir mit der Sprache an.

Woran wir gemessen haben

Wir erfinden keinen Qualitätsbegriff. Wir nehmen die Regel, die für den WDR gilt. § 6 Absatz 1 des Medienstaatsvertrags, vier Sätze:

Berichterstattung und Informationssendungen haben den anerkannten journalistischen Grundsätzen [...] zu entsprechen. Sie müssen unabhängig und sachlich sein. Nachrichten sind vor ihrer Verbreitung mit der nach den Umständen gebotenen Sorgfalt auf Wahrheit und Herkunft zu prüfen. Kommentare sind von der Berichterstattung deutlich zu trennen und unter Nennung des Verfassers als solche zu kennzeichnen.

Dazu § 5 des WDR-Gesetzes: Der Sender ist der Wahrheit verpflichtet, die Nachrichtengebung muss allgemein, unabhängig und sachlich sein.

Die Datenbasis ist die automatisch erzeugte deutsche Untertitelspur des Videos und die Videobeschreibung, beides abgerufen am 17. September 2026. Gemessen wird das Ergebnis, nicht die Absicht — Absicht ist nicht messbar. Die Zeitmarken stehen an jedem Befund, damit jeder nachsehen kann.


I — Die Sprache setzt den Rahmen

Hier geht es um den vierten Satz der Norm: Kommentare sind von der Berichterstattung deutlich zu trennen. Und um etwas, das keine Norm erfasst: Wer die Begriffe der Gegenseite übernimmt, übernimmt ihre Sicht auf das Problem.

1. „Grundlast" fällt 19-mal, und der Begriff ist falsch (durchgehend, ausdrücklich 10:35 bis 11:10)

Die Folge erklärt selbst, dass der Begriff seine Bedeutung gewechselt hat. Früher bezeichnete Grundlast die Mindestmenge, die nachts gebraucht wird. Heute wird damit die Unabhängigkeit vom Wetter gemeint. Die Folge stellt das fest, sagt „ihr merkt vielleicht schon, dass sich dieser Begriff so ein bisschen gewandelt hat" — und benutzt danach durchgehend die gewandelte Fassung.

Damit übernimmt sie die zentrale Denkfigur der Gegenseite. Residuallast, gesicherte Leistung, Flexibilität: die drei Begriffe, in denen ein Stromsystem tatsächlich geplant wird, kommen in 68 Minuten nicht vor. Wer im Vokabular des Gegners argumentiert, gewinnt allenfalls auf dessen Spielfeld. Und er sieht bestimmte Zusammenhänge nicht mehr — dazu Befund 5.

2. „Zappelstrom" wird als abwertend markiert und dann zum Fallnamen gemacht (00:47 und durchgehend)

Die Folge weist ausdrücklich darauf hin, man spreche „manchmal auch abwertend vom Zappelstrom". Dann heißt ihr Fall „Die Akte Zappelstrom", und das Wort fällt weiter.

Ein abwertender Begriff, den man vier Mal benutzt, ist kein zitierter Begriff mehr. Er ist der eigene.

3. „Schrottstrom" und „ins Ausland verklappen" (35:57 und 16:14)

Überschussmengen werden zu „Schrottstrom", der Export zum „Verklappen". Verklappen bedeutet, Abfall auf hoher See zu versenken. Gemeint ist ein Handelsvorgang an einer Börse, zu Preisen, die ein Markt bildet.

Das Bild entstammt der Abfallentsorgung und beschreibt sauberen Strom, für den in dieser Stunde niemand zahlt. Wer so über die Ware spricht, hat die Frage nach dem Abnehmer schon verneint, bevor er sie stellt.

4. Die Ironie in Minute eins, und was nach 68 Minuten von ihr übrig ist (00:47 und 19:04 bis 19:32)

Die Folge eröffnet mit einem Witz über sich selbst: Man untersuche „ergebnisoffen, also wirklich ergebnisoffen". Das ist Selbstironie und als solche sympathisch.

Nur wird daraus im Laufe der Sendung eine Beschreibung. Wertungen stehen mitten im Befund, ohne Kennzeichnung: „einige Zeitgenossen", die „mit der Realität des menschengemachten Klimawandels ihre Probleme haben, um es mal nett zu sagen". „Man verliert langsam die Geduld, sich mit diesen Sachen auseinanderzusetzen." „Ideologische Panikmache." Über Markus Söder, er „sticht jedem CDU-Kanzler einmal das Messer in den Rücken". Über China, es bezahle „seine Arbeiter einfach beschissen". Und zum Schluss, über Menschen anderer Auffassung: „außer natürlich, man hat Freude daran, die Welt brennen zu sehen".

Das ist der Punkt, an dem § 6 Absatz 1 die Trennung von Kommentar und Berichterstattung verlangt. Es ist zugleich ein rhetorisches Problem: Eine Sendung, die sich über die Geduld beklagt, die ihr Gegenstand kostet, gewinnt niemanden, der noch unentschieden ist.


II — Der Rahmen wird falsch gefüllt

Dieser Befund steht für sich, weil er die Ursache des ganzen Problems umdreht. Und er hängt unmittelbar an Befund 1.

5. Die Ursache der negativen Strompreise steht auf dem Kopf (13:58 bis 16:14)

Windkraftanlagen im Nebel bei schwachem Licht

Foto: Windkraftanlagen im Nebel — der Zustand, um den die Debatte kreist. Der andere, teurere Zustand ist der, in dem sie bei Wind stillstehen — via Wikimedia Commons — CC BY 4.0 / The Modern Polymath

Die Folge fragt, warum bei negativen Preisen nicht einfach abgeschaltet wird, und gibt drei Gründe: „Windkraftanlagen rauf und runter zu fahren, das kostet Geld"; der Betreiber rechne mit steigenden Preisen; und die Marktprämie komme ohnehin. Dabei lassen gerade Windkraftanlagen ein abschalten zu, es ist der Grund unserer Initative

Die Trägheitslogik ist richtig. Sie gehört nur an eine andere Stelle.

Genau diese Logik ist bei Braunkohle- und Kernkraftwerken der eigentliche Mechanismus. Laut Agora Energiewende liegt die Must-Run-Kapazität in Deutschland bei 20 bis 25 Gigawatt. Diese Anlagen lassen sich bei viel Wind und Sonne nicht für wenige Stunden abschalten, weil das An- und Abfahren den Betreiber mehr kostet als der negative Preis. Der Befund wörtlich: Braunkohle, Gas und Biomasse laufen in den Überschussstunden weiter und erzeugen ungefähr jene Strommenge, die den Überschuss ausmacht.

Damit dreht sich die Erzählung der Folge um. Der Überschuss entsteht nicht, weil Wind und Sonne zu viel liefern. Er entsteht, weil daneben 20 bis 25 Gigawatt stehen, die nicht aufhören können.

Und hier kommt Befund 1 zurück: Es sind genau die Kraftwerke, die die Folge 19-mal „grundlastfähig" nennt, die die negativen Preise erzeugen. Der Begriff, den sie von der Gegenseite übernommen hat, verdeckt die Ursache. Das ist kein Zufall, es ist die Funktion des Begriffs: Er nennt Trägheit Zuverlässigkeit.

Wer das nicht sagt, lässt 68 Minuten lang den Eindruck stehen, negative Preise seien ein Problem der Erneuerbaren. Sie sind das Preissignal für zu wenig Flexibilität im konventionellen Teil des Systems.


III — Vier Rechnungen, an denen die Schlussfolgerung hängt

6. Die Wasserstoff-Entwarnung stimmt nicht (55:46)

Obertägige Anlagen des Kavernenspeichers Etzel in Niedersachsen

Foto: Die obertägigen Anlagen des Kavernenspeichers Etzel in Niedersachsen — via Wikimedia Commons — CC BY 3.0 / Matthias Süßen

Die Folge nennt den Bedarf an Langzeitspeicher für Deutschland mit 80 Terawattstunden und beruhigt dann: „Schon jetzt hat Deutschland Erdgasspeicherkapazitäten in der Größenordnung von 250 Terawattstunden, also deutlich mehr."

Die 250 Terawattstunden sind der Energieinhalt als Erdgas. Wasserstoff hat bei gleichem Volumen deutlich weniger Energie; für die gleiche Energiemenge bräuchte man etwa das Fünffache des heutigen Speichervolumens. Gerechnet: 250 Terawattstunden Erdgaskapazität entsprechen rund 50 bis 80 Terawattstunden Wasserstoff. Nicht „deutlich mehr", sondern gerade eben die Zielmarke, und das nur bei vollständiger Umwidmung.

Dazu: Gut zwei Drittel der deutschen Kapazität sind Kavernenspeicher, ein knappes Drittel sind Porenspeicher. Wasserstoff in porösem Gestein wird gerade erst erprobt, in Bierwang in Bayern. Rechnet man nur mit den Kavernen, bleiben etwa 35 bis 55 Terawattstunden, also weniger als der Bedarf, den die Sendung selbst nennt.

Die Folge erwähnt einen Satz später, die Energiedichte sei geringer. Die beruhigende Schlussfolgerung zieht sie dann trotzdem. Das ist der schwerste Einzelbefund, weil die Machbarkeitsaussage der Folge auf dieser Gegenüberstellung aufbaut.

7. Die Pointe „70 Gigawattstunden reichen für genau eine Stunde" rechnet mit der falschen Last (37:13)

„Der Strombedarf, also Leistung, die im Schnitt zu jedem Zeitpunkt im Stromnetz zur Verfügung gestellt werden muss, liegt so bei etwa 60 bis 70 Gigawatt."

Die Netzlast lag 2025 bei 465,9 Terawattstunden. Über 8.760 Stunden sind das im Mittel 53,2 Gigawatt. Die 60 bis 70 Gigawatt liegen nicht beim Durchschnitt, sondern in der Nähe der Spitzenlast, und die betrug 2025 exakt 75,8 Gigawatt.

Vier Minuten später nennt die Folge „70 bis 80 Gigawatt" als Spitzenlast. Damit liegen bei ihr Durchschnitt und Maximum fast gleich. Das kann in keinem Stromsystem stimmen.

8. Zwei Aussagen, die sich vier Minuten später widersprechen (41:21 gegen 45:01)

Erst: Zehn Prozent von 630 Gigawatt geplanter Wind- und Solarleistung sind 63 Gigawatt, „damit könnte ich immer noch einen relativ großen Teil des Strombedarfs decken."

Dann: Eine 48-Stunden-Dunkelflaute bedeute, „dass wirklich gar nichts mehr von Sonne und Wind kommt", und 2,8 Terawattstunden müssten komplett aus Speichern kommen.

Beides gleichzeitig geht nicht. Dazu ein zweiter Fehler in derselben Rechnung: Die zehn Prozent sind ein Mittelwert über das Ereignis, keine Untergrenze im Moment. Nachts liefert Photovoltaik nichts, per Definition. Wer die zehn Prozent als jederzeit verfügbaren Sockel liest, rechnet die Nacht heraus.

9. Richtige Schlussfolgerung, falsche Begründung (47:36 bis 49:14)

Warum Batterien keine Saisonspeicher sind, begründet die Folge mit Selbstentladung und Klimatisierung: „Wenn eine Batterie 3 Monate lang ungenutzt auf ihren Einsatz wartet, hat sie allein durch ihre eigene Lebenserhaltung einen erheblichen Teil ihrer gespeicherten Energie wieder verbraucht."

Der Grund, den jede Studie nennt, ist ein anderer: die Investition je Kilowattstunde Speicherkapazität. Zwischen einer Lithium-Batterie und einer Salzkaverne liegen dabei rund zwei Größenordnungen.

Die Begründung der Sendung lässt sich mit einem Satz aushebeln: „dann baut halt Batterien mit weniger Selbstentladung". Die richtige Begründung nicht.


IV — Drei Aussagen zu einer Rechtslage, die seit Jahren anders ist

Diese drei Befunde bilden die Kostenerzählung der ersten halben Stunde, und sie beschreiben ein Fördersystem, das es so nicht mehr gibt.

10. Die EEG-Umlage gibt es seit Juli 2022 nicht mehr (15:40 und 51:34)

Die Folge sagt zweimal, die Kosten „werden nachher als EEG Umlage auf den Strompreis der Verbraucher angerechnet", später würde „die Umlage sinken".

Die EEG-Umlage wurde zum 1. Juli 2022 auf null gesetzt und zum 1. Januar 2023 gesetzlich gestrichen. Die Förderung läuft seither über den Bundeshaushalt, konkret den Klima- und Transformationsfonds; für 2026 sind rund 23 Milliarden Euro Zuschussbedarf prognostiziert.

Das ändert, wer zahlt — Steuerzahler statt Stromkunde — und welcher politische Hebel greift.

11. Die Marktprämie wird nicht verhandelt, sie wird ersteigert (15:05)

„Der deutsche Staat spricht sich mit den Betreibern eines solchen Windkraftparks ab und dann überlegen die sich gemeinsam, was ist der Strom denn jetzt wert?"

Der anzulegende Wert kommt aus wettbewerblichen Ausschreibungen der Bundesnetzagentur. Der Betreiber bietet, der niedrigste Gebotspreis gewinnt, der Zuschlag setzt den Wert. Eine Absprache am Tisch findet nicht statt.

Die Darstellung als Kungelrunde ist genau das Bild, gegen das die Sendung sonst antritt.

12. Bei negativen Preisen zahlt der Staat seit zehn Jahren nicht mehr durch (16:51)

„Bei den alten Anlagen geht die immer noch, da zahlt der Staat und dann im Endeffekt auch der Verbraucher ordentlich drauf."

Die Stundenregel des § 51 EEG greift seit 2016: zuerst als Sechs-Stunden-Regel für Anlagen über drei Megawatt, ab dem EEG 2021 als Vier-Stunden-Regel für Anlagen über 500 Kilowatt. Seit dem Solarspitzengesetz vom 25. Februar 2025 genügt eine einzige negative Viertelstunde, damit die Förderung für die Dauer der Negativpreisphase entfällt. Bestandsanlagen können gegen 0,6 Cent je Kilowattstunde in die neue Regel wechseln.

Die großen Wind- und Solarparks, die den Überschuss erzeugen, sind seit Jahren draußen.


V — Was in 68 Minuten nicht vorkommt

Bis hierhin ging es um Sätze, die in der Folge stehen. Jetzt geht es um sechs Dinge, die fehlen. Sie sind keine Feinheiten: Jedes einzelne hätte die Antwort der Sendung verändert.

13. Speicher können mehr als Handel: netzdienlich und systemdienlich (kommt nicht vor)

Die Folge betrachtet Batterien ausschließlich als Marktteilnehmer: billig einkaufen, teuer verkaufen, Negativpreise dämpfen. Das ist eine von drei Funktionen.

Netzdienlich heißt: Ein Speicher, der gezielt dort steht, wo Leitungen und Transformatoren an ihre Grenze kommen, senkt genau diese Überlastung. Die VDE-Studie zu Speichern in der Nieder- und Mittelspannungsebene kommt zu dem Ergebnis, dass netzdienlich platzierte Speicher Leitungs- und Transformatorüberlastungen erheblich verringern und in Szenarien vollständig vermeiden können. Ein Speicher ist damit eine Alternative zum Netzausbau, nicht nur ein Händler.

Systemdienlich heißt: Diese Speicher hängen schon dort, wo das Problem auftritt, nämlich in der Mittel- und Niederspannung. Ein Kraftwerk, das dieselbe Lücke füllen soll, hängt am Übertragungsnetz und braucht den Weg dorthin.

Die Wörter netzdienlich, systemdienlich, Netzentgelt und Mittelspannung fallen in 68 Minuten kein einziges Mal. Damit fehlt der Sendung der ganze Nutzen, der nichts mit der Börse zu tun hat.

14. Die Warteschlange: 1.583 Gigawattstunden wollen ans Netz (kommt nicht vor)

Batteriespeicher in einem Container aufgebaut

Foto: Batteriespeicher im Container — diese Bauform steht zu Tausenden in der Anschluss-Warteschlange — via Wikimedia Commons — CC BY-SA 4.0 / Tomás Freres

Die Folge sucht Planungszahlen und findet drei: 180 Gigawattstunden beim Fraunhofer ISE, bis 350 im Netzentwicklungsplan, „so bis 600 Gigawattstunden. Das ist das höchste, was wir gefunden haben." Die unausgesprochene Frage dahinter: Wird das jemand bauen?

Die Antwort steht in der Statistik der Bundesnetzagentur. 2025 gingen bei den Netzbetreibern 18.158 Anfragen für den Netzanschluss von Batteriespeichern ein, über 573,5 Gigawatt Leistung und 1.583 Gigawattstunden Kapazität. Anschlusszusagen wurden erteilt für 54 Gigawatt und 142 Gigawattstunden.

Das sind zwei Zahlen, die alles verschieben. Erstens: Die angefragte Kapazität liegt bei mehr als dem Zweieinhalbfachen des höchsten Planwerts, den die Folge gefunden hat. Es fehlt nicht an Bauwilligen. Zweitens: Zugesagt wurde weniger als ein Zehntel. Der Engpass ist der Netzanschluss.

Dahinter steht privates Kapital, das investieren will und nicht darf. Eine Sendung, die 68 Minuten fragt, ob wir genug Speicher gebaut bekommen, und diese Warteschlange nicht erwähnt, beantwortet die falsche Frage.

15. Biogasanlagen als Backup gibt es schon (kommt nicht vor)

Die Folge kommt zu dem Schluss, für längere Dunkelflauten brauche es neue Gaskraftwerke, die die meiste Zeit des Jahres stillstehen: „Ein Gaskraftwerk kann besser rumpimmeln als ein Batteriespeicher."

Für diese Aufgabe steht ein Kraftwerkspark bereits da. Ende 2025 zählte der Fachverband Biogas, erstmals gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut IEE aus dem Marktstammdatenregister erhoben, 9.315 Biogasanlagen mit Stromerzeugung vor Ort, dazu 290 Anlagen, die Biogas zu Biomethan aufbereiten. Die installierte elektrische Leistung: 6.816 Megawatt.

Diese Zahl steht neben einer zweiten, und der Abstand zwischen beiden ist der eigentliche Punkt: Die Bemessungsleistung beträgt 3.316 Megawatt. Installiert ist also doppelt so viel Motorleistung, wie im Dauerbetrieb abgerufen wird. Der Park ist zum Teil schon für flexiblen Betrieb gebaut — er kann Spitzen fahren, wenn man ihn lässt.

Das Konzept, Biogasanlagen nicht durchlaufen zu lassen, sondern als Speicherkraftwerke genau dann einzuspeisen, wenn Wind und Sonne fehlen, geht auf Hans-Josef Fell zurück. Kurzstudien der FAU Erlangen-Nürnberg und des Wuppertal Instituts rechnen vor, dass flexibilisierte Biogasanlagen bei etwa 2.000 Betriebsstunden im Jahr rund 30 Gigawatt gesicherte Leistung stellen könnten. Dafür bräuchte es zusätzliche Motorleistung und Gasspeicher an den Standorten; der Weg dorthin ist Umbau, nicht Neubau auf der grünen Wiese.

Und selbst ohne jeden Umbau sind die 6.816 Megawatt, die heute schon stehen, abrufbare Leistung aus einem Brennstoff, der gespeichert im Fermenter liegt.

Die Wörter Biogas und Biomasse fallen in 68 Minuten null Mal. Eine Folge über Backup-Kraftwerke, die das vorhandene Backup nicht erwähnt, empfiehlt Neubau, wo Umbau reicht.

16. Wasserstoff wird als gesetzt behandelt, und das ist er nicht (51:34 bis 57:26)

Dies ist der zweite schwere Befund der Folge, und er hat vier Teile.

Der Wirkungsgrad fehlt vollständig. Die Folge sagt „da geht super viel Energie verloren" und „zwar einiges an Energie". Eine Zahl nennt sie nie. Das Wort Wirkungsgrad fällt kein einziges Mal, das Wort Elektrolyse auch nicht. Tatsächlich bleiben vom Strom über Wasserstoff zurück zum Strom etwa 30 Prozent übrig; Michael Liebreich führt die Rückverstromung in seiner Clean Hydrogen Ladder auf der untersten Stufe und beziffert den Verlust auf rund 70 Prozent. Wer drei Kilowattstunden hineinsteckt, um eine herauszubekommen, muss das sagen, wenn er über Kosten spricht.

Die Fahrweise der Elektrolyseure fehlt. Die Idee der Folge ist, Überschussstrom in Wasserstoff zu verwandeln. Genau dieser Betrieb ist das Problem: Ein Elektrolyseur, der nur in Überschussstunden läuft, kommt auf wenige hundert Volllaststunden im Jahr, und seine Investitionskosten verteilen sich auf eine winzige Produktionsmenge. Technisch kommen die Bauarten unterschiedlich damit zurecht: PEM-Anlagen halten 60 bis 70 Prozent Wirkungsgrad zwischen 30 und 100 Prozent Last, alkalische verlieren in Teillast 8 bis 12 Prozent, Feststoffoxid-Anlagen beim Takten 15 bis 20 Prozent. Der Kapitalkostenanteil je Kilogramm ist bei dieser Fahrweise der dominierende Posten.

Die Importmengen existieren nicht. Der Bundesrechnungshof hat der Wasserstoffstrategie im Oktober 2025 einen Sonderbericht gewidmet. Befunde: Das Elektrolyse-Ziel für 2030 lag bei 10 Gigawatt, in Betrieb waren 2025 unter 0,2 Gigawatt, die Erwartung für 2030 ist auf unter 5 Gigawatt gesenkt. Weltweit sind für 2030 grüne Wasserstoffmengen von rund 63 Terawattstunden mit Investitionsentscheidung unterlegt, während allein Deutschland 47,5 bis 91 Terawattstunden importieren wollte. Deutschland müsste also etwa drei Viertel des Weltangebots binden. Der Rechnungshof hält das für unrealistisch. Eingesetzt wurden 4,3 Milliarden Euro 2024 und über 3 Milliarden 2025; die Lücke zwischen Wasserstoff- und Erdgaspreis könnte den Bundeshaushalt bis 2030 mit 3 bis 25 Milliarden Euro belasten.

Die stoffliche Konkurrenz fehlt. Deutschland verbraucht heute 1,65 bis 1,85 Millionen Tonnen Wasserstoff, rechnerisch rund 52 Terawattstunden, nahezu vollständig grau aus Erdgas: 29 Terawattstunden für Ammoniak, Methanol und weitere Chemie, 22,8 für die Rohölverarbeitung. Für diese Anwendungen gibt es keine elektrische Alternative — in Ammoniak steckt Wasserstoff als Stoff, nicht als Energieträger. Diese Nachfrage ist vor jeder Rückverstromung da und vor ihr in der Reihe.

Und der Satz, der alles zusammenzieht: Die Folge will 80 Terawattstunden Wasserstoff einlagern, um Strom daraus zu machen. Das ist mehr als die gesamte Weltproduktion an grünem Wasserstoff, die für 2030 investitionsentschieden ist, und es kommt zu einer bestehenden deutschen Stoffnachfrage von 52 Terawattstunden hinzu, die keine Wahl hat.

Der Rechnungshof hat noch einen Befund, der die Empfehlung der Folge unmittelbar betrifft: Die wasserstofffähige Kraftwerksleistung wurde von 23,8 auf 7,5 Gigawatt bis 2040 reduziert, und für diese gibt es keine verbindliche Umstellungspflicht von Erdgas auf Wasserstoff mehr. Die Folge sagt, man könne die neuen Gaskraftwerke „zumindest eine Zeit lang noch mit herkömmlichem Erdgas" betreiben. Das „zumindest eine Zeit lang" hat kein Ende mehr, und die Sendung weiß es nicht.

17. Der CO2-Preis kommt nicht vor (kommt nicht vor)

Die Folge diskutiert 68 Minuten über Kosten: Kernkraft gegen Erneuerbare, Batterie gegen Gaskraftwerk, „die Energiewende wird teuer, sie wird aber so oder so teuer". Die Wörter CO2-Preis, Emissionshandel und Zertifikat fallen null Mal.

Das ist die Größe, die über die Einsatzreihenfolge im Kraftwerkspark entscheidet und die den fossilen Betrieb planbar verteuert. Der Preis im europäischen Emissionshandel lag Anfang 2026 bei rund 65 bis 75 Euro je Tonne. Der Emissionshandel für Gebäude und Verkehr wurde von 2027 auf 2028 verschoben; Modellrechnungen dazu reichen von 60 bis 380 Euro je Tonne, die meisten über 100.

Ein Gaskraftwerk, das laut Folge „erstmal" mit Erdgas läuft, läuft in diese Kurve hinein. Wer Kosten vergleicht und den Preis des Emittierens auslässt, vergleicht die falschen Zahlen.

18. Erdgas ist eine außenpolitische Entscheidung, und es gäbe eine Alternative (kommt nicht vor)

Die Empfehlung der Sendung lautet: neue Gaskraftwerke bauen, zunächst mit Erdgas betreiben, später auf Wasserstoff umstellen. Die Wörter Geopolitik, Russland, Katar und LNG fallen null Mal.

Damit fehlen zwei Dinge, und das zweite ist das wichtigere.

Erstens, woher das Gas kommt. Seit 2022 hat Deutschland erlebt, was ein Erdgaspreis macht, wenn der Lieferant die Bedingungen setzt. Die Ersatzstruktur besteht aus langfristigen Flüssiggas-Verträgen, überwiegend mit Förderländern, deren politische Lage kein Energieversorger beeinflusst, und aus Gas, das zu erheblichen Teilen durch Fracking gewonnen wird — mit Methanverlusten entlang der Kette, die in keiner Kraftwerksbilanz auftauchen. Wer ein Kraftwerk baut, das Jahrzehnte laufen soll, und für den Anfang fossiles Gas einplant, trifft eine außenpolitische Entscheidung mit. Nach Befund 16 gilt zudem: Die Umstellungspflicht auf Wasserstoff ist gestrichen, und die Mengen dafür sind weltweit nicht vorhanden. Das „zunächst" ist damit möglicherweise das Betriebsmodell und nicht die Übergangsphase.

Zweitens, dass es eine Alternative zum Neubau gibt. Die Folge behandelt neue Gaskraftwerke als gesetzt. Dabei ist die eigentliche Frage nicht, welches Kraftwerk man baut, sondern ob man überhaupt baut. Eine Arbeit des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung zur Versorgungssicherheitsreserve rechnet vor, wie selten diese Absicherung gebraucht wird: zehn bis 45 Stunden im Jahr, je nach Wetterjahr, und in weniger als fünf Stunden davon läuft sie über 60 Prozent Auslastung. Die Autoren modellieren dafür günstige neue Gasturbinen, halten aber ausdrücklich fest, dass in der Praxis auch bestehende Anlagen in die Reserve einfließen könnten.

Für eine Aufgabe, die zehn bis 45 Stunden im Jahr anfällt, ist das eine ernsthafte Option: Bestandsanlagen stillhalten und für diese Stunden abrufen, statt neue Leistung zu errichten, die auf ein Gas wartet, das es nicht gibt. Die Investition in die Bestandsanlagen ist bezahlt, und über 45 Stunden im Jahr fällt die Emissionsmenge kaum ins Gewicht.

Diese Wahl stellt die Folge nicht dar. Sie erwähnt Importe nur als Stromimporte in der Dunkelflaute und den Neubau als Schluss.


VI — Acht Übertreibungen, zwei davon zu unseren Gunsten

19. Der Kapazitätsfaktor ist zu hoch angesetzt (40:42)

„Im Schnitt landest du bei erneuerbaren Energien bei etwa 20 bis 30 Prozent der installierten Leistung."

Photovoltaik in Deutschland liegt bei rund 10 Prozent: 2025 standen etwa 105 Gigawatt installiert und lieferten 74,1 Terawattstunden ins Netz. Wind an Land liegt bei etwa 19 bis 22 Prozent. Da Photovoltaik der größte Block der geplanten 630 Gigawatt ist, liegt der Mischwert klar unter 20 Prozent.

Dieser Fehler geht zu Gunsten der Erneuerbaren. Wir führen ihn auf, weil eine Prüfung, die nur in eine Richtung sucht, keine ist.

20. Kalifornien wird zu gut gemacht (50:59)

„Den größten Teil dieser abendlichen Spitzenlast von 17 bis 21 Uhr decken inzwischen die Batteriespeicher", Gaskraftwerke seien „größtenteils vorbei".

Der Rekordwert im kalifornischen Netz lag bei 36,6 Prozent Anteil im Fenster 17 bis 21 Uhr. Batterien sind dort an guten Tagen der größte einzelne Beitrag, nicht die Mehrheit. Die Leistungszahl der Sendung stimmt dagegen: knapp 18 Gigawatt, tatsächlich 17,1 Gigawatt im September 2026. Auch dieser Befund geht zu Gunsten der Erneuerbaren.

21. Heimspeicher sind längst am Markt, und zwar ohne Smart Meter (36:36)

„Die gespeicherte Energie lässt sich nicht einfach zur Stabilisierung des Stromnetzes abrufen. Das ginge eigentlich relativ einfach mit sogenannten Smartmetern [...]. Die hat aber bis heute kaum jemand eingebaut."

Virtuelle Kraftwerke aus Heimspeichern sind für Primärregelleistung präqualifiziert: bei TenneT seit 2018, bei Amprion seit 2021, bei TransnetBW seit Dezember 2024. Die Kommunikation läuft über die Internetverbindung des Anbieters, nicht über ein intelligentes Messsystem.

Das Mengenbild kippt zusätzlich: Im ersten Quartal 2026 wurde erstmals mehr Großspeicher- als Heimspeicher-Kapazität zugebaut, mit einem Plus von rund 270 Prozent. Die Bestandszahl der Sendung ist dagegen richtig: etwa 30 Gigawattstunden, gemessen 29,8 im Juli 2026.

22. Vier weitere Stellen, kürzer

Warum Reaktoren in China billiger sind (24:45): „weil der größte Teil der Kosten Personalkosten sind und China seine Arbeiter einfach beschissen bezahlt." Bei Kernkraftwerken dominieren Kapital- und Finanzierungskosten, nicht Löhne. Chinas Vorteil beruht auf Serienbau, staatlich billigem Kapital und eingespielter Lieferkette.

Paragraf 14a wird mit Dunkelflaute verwechselt (61:00): Das Dimmen steuerbarer Verbrauchseinrichtungen ist ein Instrument des Verteilnetzbetreibers gegen örtliche Netzengpässe. Gegen eine bundesweite Dunkelflaute richtet es nichts.

Der Strompreis großer Abnehmer (61:29): „Industriekunde, die haben keinen fixen Strompreis, sondern zeitgebundenen Strompreis." Der überwiegende Teil kauft langfristig und fest ein, über Termingeschäfte und Lieferverträge.

Radioaktivität aus Kohlekraftwerken (19:32): „Da wird ordentlich auch Radioaktivität in die Luft gepumpt." Richtungsrichtig, in der Dosis gering. An einer Stelle, an der die Sendung ihr Argument nicht braucht.

23. Bidirektionales Laden wird per Gefühl abgeräumt (62:03)

„Ja, ich glaube nicht, dass [...] das E-Autokunden das gerne machen würden, wenn sie wissen, dass das ständige Be- und Entladen der Batterie die Lebenszeit ver[kürzt]."

Eine Untersuchung der RWTH Aachen von 2025 kommt zu dem Ergebnis, dass bidirektionales Laden die Batterielebensdauer kaum beeinflusst, bei einem Zusatzwert von rund 8.000 Euro über zehn Jahre. Degradationsstudien verorten den Anteil der Netzrückspeisung bei etwa 0,3 Prozentpunkten pro Jahr, gegen 85 bis 90 Prozent kalendarische Alterung.

In einem Format, dessen Geschäftsgrundlage das Nachprüfen ist, steht hier ein Glaubenssatz. Und er steht an der Stelle, an der die größte verfügbare Speicherreserve des Landes verhandelt wird.


Wie die Sendung mit ihren Quellen umgeht

Zwei Beobachtungen, die zum dritten Satz der Norm gehören: Prüfung auf Herkunft.

Eine Interessenlage wird offengelegt, die andere nicht. Beim Uniper-Papier — 144 Dunkelflauten pro Jahr ab zehn Stunden Dauer — benennt die Folge die Interessenlage vorbildlich und nennt es zu Recht „ein fünfseitiges Papier". Bei der Fraunhofer-Zahl fehlt derselbe Hinweis: Die Analyse, nach der 80 Gigawattstunden Batteriespeicher die Negativpreisstunden um rund 70 Prozent senken und 3,9 Milliarden Euro im Jahr sparen, entstand im Auftrag des Bundesverbands Erneuerbare Energie. Inhaltlich gibt die Sendung sie korrekt wieder. Ebenso ausgelassen: Der Deutsche Wetterdienst nennt neben zwei Ereignissen über 48 Stunden pro Jahr in Deutschland auch 0,2 Ereignisse pro Jahr, sobald man über die Grenze schaut.

Eine veröffentlichte Zahl wird als Telefonauskunft weitergegeben. Die Dunkelflaute-Zahlen der Sendung — 55 Tage bei elf Prozent, im Extremfall 109 Tage für Deutschland allein — stammen aus Kittel und Schill, Communications Earth & Environment, 10. Februar 2026. Die Folge nennt als Fundstelle „eine sehr aktuelle Studie in Nature Communications", also das falsche Journal. Dann sagt sie, man habe „mit den Machern der Studie gesprochen, die haben nämlich noch weitere Berechnungen gemacht", und nennt 80 Terawattstunden. Diese „weiteren Berechnungen" sind eine eigene Veröffentlichung: Kittel, Roth und Schill, Nature Communications, 9. Mai 2026, vier Monate vor der Sendung, mit 351 Terawattstunden für Europa und 159 Terawattstunden selbst bei unbegrenztem Austausch. Keine dieser Zahlen kommt in der Folge vor.

Und das lässt sich an der eigenen Quellenliste zeigen. In der Videobeschreibung führt die Redaktion beide Arbeiten auf und macht dabei drei Fehler:

In den Shownotes Tatsächlich
„Kittel, Martin & Scholl, Wolf-Peter" Schill, Wolf-Peter
beide in „Communications Earth & Environment" die zweite in Nature Communications
beide unter demselben Link s43247-026-03251-2 die zweite unter s41467-026-72681-5

Der angegebene Link zur Speicherstudie führt zur Dunkelflaute-Studie. Wer die 80 Terawattstunden nachprüfen will, landet in der falschen Arbeit.


Was die Sendung richtig macht

Das Koepchenwerk in Herdecke, ein Pumpspeicherkraftwerk an der Ruhr

Foto: Das Koepchenwerk in Herdecke an der Ruhr, ein Pumpspeicherkraftwerk von 1930 — via Wikimedia Commons — CC BY-SA 3.0 / User PodrPro

Vier Passagen halten der Prüfung stand, und zwei davon sind besser recherchiert als in manchem Fachmedium.

Die Zehn-Stunden-Regel. Die Folge beschreibt, dass Speicher nur gefördert werden sollten, wenn sie zehn Stunden liefern, eine Stunde pausieren und dann wieder zehn Stunden liefern können — ein Kriterium, das kein Batteriespeicher erfüllt und jedes Gaskraftwerk. Sie benennt, dass das Wirtschaftsministerium Argumente dafür bei der Gaslobby bestellt hat, und bleibt skeptisch, ob die Entschärfung reicht. Das Bundeskartellamt hat den Entwurf ebenfalls gerügt. Diese Passage ist der stärkste Teil der Folge.

Flamanville. Geplant 3,2 Milliarden Euro, Baukosten 13,2 Milliarden in Euro von 2015, Gesamtkosten nach Rechnung des französischen Rechnungshofs 23,7 Milliarden in Euro von 2023. Die Zahlen stimmen.

Paks. Die Folge sagt, in Ungarn habe ein Kernkraftwerk wegen Kühlwassermangels abschalten müssen und die Stromversorgung des Landes sei in Gefahr gewesen. Das ist eher untertrieben: Drei Blöcke gingen ab dem 29. Juli 2026 vom Netz, zeitweise liefen von rund 2.000 Megawatt noch etwa zehn Prozent, und Paks deckte 2025 rund 45 Prozent der ungarischen Stromversorgung. Gerettet wurde die Kühlung mit zwei quer gelegten Lastkähnen und einer Sohlschwelle aus 145.000 Kubikmetern Stein.

Die Pumpspeicher-Einordnung. Rund 39 Gigawattstunden, ausbaufähig, aber durch Geografie und Eingriff in die Landschaft begrenzt. Richtig, und ohne Pathos gesagt.

Und die größte Batterie steht schon da

Ein Punkt gehört noch dazu, weil er alle drei fehlenden Funktionen aus Befund 13 verbindet.

Zum 1. Januar 2026 waren in Deutschland 2.034.260 reine Elektroautos zugelassen. Bei durchschnittlich etwa 60 Kilowattstunden nutzbarer Batterie sind das rund 120 Gigawattstunden: das Vierfache aller stationären Batteriespeicher, das Dreifache aller Pumpspeicher. Bezahlt, angeschlossen, in der Niederspannung, nachts ohnehin stehend.

Man muss sie nicht einmal entladen. Es genügt, den Ladevorgang in die Stunden zu verschieben, in denen zu viel Strom im Netz ist. 573 Stunden mit negativen Preisen waren es 2025.

Das ist der Grund, warum wir diese Folge geprüft haben. Nicht weil ihre Schlussfolgerung falsch ist, sondern weil sie die billigste Lösung nicht erwähnt.


Zusammenfassung

Die Folge beginnt damit, die Wörter der Gegenseite zu übernehmen, und endet damit, deren Rechnung zu wiederholen. Zwischen beidem liegen 68 Minuten, in denen sie das Richtige will und an vier Stellen falsch rechnet.

Sie nennt 19-mal „Grundlast" und kommt deshalb nicht darauf, dass es genau diese Kraftwerke sind, die die negativen Preise erzeugen: 20 bis 25 Gigawatt, die nicht aufhören können. Sie stellt 80 Terawattstunden Wasserstoffbedarf 250 Terawattstunden Gasspeicher gegenüber und übersieht, dass Wasserstoff im gleichen Volumen nur ein Fünftel der Energie hält. Sie beschreibt ein Fördersystem, das seit 2016 stufenweise und seit Juli 2022 grundlegend geändert wurde. Sie fragt, ob jemand die Speicher baut, während 1.583 Gigawattstunden auf einen Netzanschluss warten. Sie empfiehlt neue Gaskraftwerke und erwähnt weder die 9.000 Biogasanlagen, die dieselbe Aufgabe könnten, noch den CO2-Preis, noch woher das Gas kommen soll — und auch nicht, dass diese Absicherung nur zehn bis 45 Stunden im Jahr gebraucht wird, eine Aufgabe, für die es Bestandsanlagen gibt. Sie behandelt Wasserstoff als gesetzt, obwohl der Bundesrechnungshof der Strategie im Oktober 2025 einen Sonderbericht gewidmet hat und die Umstellungspflicht der Kraftwerke inzwischen gestrichen ist. Und sie räumt die Reserve in zwei Millionen Autos mit einem Glaubenssatz ab.

Gemessen an § 6 Absatz 1 des Medienstaatsvertrags sind das Abweichungen von allen vier Sätzen dieses Absatzes. Gemessen an § 5 des WDR-Gesetzes, der die Nachrichtengebung zur Sachlichkeit verpflichtet, sind es dreiundzwanzig.

Drei Dinge wären daraus zu machen:

  1. Ein Korrekturhinweis in der Mediathek zur Wasserstoff-Rechnung. Sie ist der Befund, der die Aussage der Folge selbst umdreht.
  2. Eine Richtigstellung in den Shownotes zur EEG-Umlage, zur Marktprämie, zur Stundenregel des § 51 EEG und zur eigenen Quellenliste. Ein Absatz genügt.
  3. Die Ursache der negativen Preise ergänzen. Nicht als Meinung, sondern mit der Zahl: 20 bis 25 Gigawatt Must-Run. Ohne diesen Satz bleibt bei 148.500 Zuhörern der Eindruck stehen, negative Preise seien ein Problem der Erneuerbaren.

Für uns selbst gilt, was wir hier verlangen: Jeden belegten Fehler in diesem Text korrigieren wir binnen 48 Stunden und kennzeichnen die Änderung. Die Datenbasis ist eine automatisch erzeugte Untertitelspur; sie kann sich verhören. Wo ein Zitat anders lautet als hier wiedergegeben, schreiben Sie uns, und es wird geändert.

Und jetzt sind Sie dran

Zwei Fragen, und wir meinen sie beide so, wie sie dastehen.

Wie hat diese Folge auf Sie gewirkt? Wenn Sie sie gehört haben: Was ist bei Ihnen hängengeblieben — dass es geht, oder dass es aussichtslos ist? Das interessiert uns mehr als jede Fehlerzählung, denn darum geht es am Ende.

Und sind wir hier zu kritisch? Dreiundzwanzig Befunde über eine Sendung, die im Ergebnis das Richtige sagt, von einer Redaktion mit einem Rechercheur und 68 Minuten für vier Fachgebiete. Man kann das für übertrieben halten. Wenn Sie das so sehen, schreiben Sie es — mit Begründung, dann nehmen wir sie auf.

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