Ladefreunde-Blog · Strommarkt und Geopolitik

Washington am Golf

17. September 2026 3 min Lesezeit Ladefreunde-Blog

Über Sanktionen, Waffenverkäufe und die Freigabe von Milliardengeschäften entscheidet in den USA die Regierung. Wer dort ein- und ausgeht, ist deshalb keine Klatschfrage.

Empfang des saudischen Kronprinzen am Weißen Haus im November 2025

Foto: Empfang des saudischen Kronprinzen am Weißen Haus, 18. November 2025 — via Wikimedia Commons — Public Domain / The White House

Die Zusagen

Die erste große Auslandsreise der zweiten Amtszeit ging im Mai 2025 an den Golf. Was seither zugesagt wurde, in Dollar:

Zusage
Vereinigte Arabische Emirate 1,4 Billionen über zehn Jahre
Katar 1,2 Billionen
Saudi-Arabien 600 Milliarden, im November 2025 erhöht auf „closer to 1 trillion"

Ob diese Summen je fließen, ist offen; Fachleute bezweifeln es. Dazu kamen die Zusage von F-35-Kampfjets an Saudi-Arabien, die Einstufung des Landes als Major Non-NATO Ally und eine Boeing 747-8 aus Katar, die als Spende an das Pentagon deklariert wurde und künftig als Präsidentenmaschine dienen soll.

Das private Geschäft

Parallel dazu läuft privates Geschäft mit denselben Staaten, und es ist dokumentiert, weil es dokumentiert werden muss.

Der Fonds des Schwiegersohns. Affinity Partners, gegründet von Jared Kushner nach dem Ende der ersten Amtszeit, erhielt 2 Milliarden Dollar vom saudischen Staatsfonds PIF. Der Prüfausschuss des Fonds hatte empfohlen, das abzulehnen — er hielt die Erfahrung für unzureichend und die Gebühren für überhöht. Der Vorsitzende des Verwaltungsrats überstimmte ihn. Im Dezember 2024 kamen 1,5 Milliarden Dollar vom katarischen Staatsfonds und einem Vermögensverwalter aus Abu Dhabi dazu. Der US-Senatsfinanzausschuss beziffert das Gesamtvolumen auf rund 3 Milliarden Dollar, bei Verwaltungsgebühren von 1,25 bis 2 Prozent im Jahr — das sind zweistellige Millionenbeträge jährlich, unabhängig vom Anlageerfolg.

Die Lizenzen. Die Trump Organization meldete dem US-Ethikbüro 38 Millionen Dollar Lizenzeinnahmen aus Projekten in der Golfregion, darunter 5,25 Millionen für einen künftigen Golfclub samt Resort in Doha. Sieben Projekte in vier Ländern. Der katarische Partner dieses Projekts ist Qatari Diar — der Immobilienarm des Staatsfonds.

Es zahlt also dieselbe Adresse, die in Volkswagen und RWE investiert ist.

Die Beteiligungsgesellschaft

Der dritte Faden ist der unauffälligste und der größte.

Carlyle, eine der großen amerikanischen Beteiligungsgesellschaften, gehört seit 2007 zu 7,5 Prozent dem Staatsfonds Mubadala aus Abu Dhabi, der damals 1,35 Milliarden Dollar dafür zahlte und weitere 500 Millionen in einen Carlyle-Fonds legte. Im Dezember 2024 kam eine gemeinsame Kreditplattform dazu.

Im Januar 2026 vereinbarte Carlyle den Kauf des internationalen Geschäfts von Lukoil — Ölfelder, Raffinerien, Tankstellen außerhalb Russlands, Größenordnung 22 Milliarden Dollar. Der Verkauf steht unter Sanktionsdruck, und er ist nur wirksam, wenn das US-Finanzministerium ihn freigibt. Die Verkaufserlöse bleiben bis zur Aufhebung der Sanktionen auf einem gesperrten Konto.

Die Regierung, die Lukoil sanktioniert hat, entscheidet also darüber, wer dessen Ölgeschäft übernehmen darf.

Warum das hierher gehört

Keine dieser Zahlen beweist, dass eine bestimmte Entscheidung gekauft wurde. Sie zeigen etwas anderes, und das reicht: Die Interessen sind nicht getrennt. Wer über Sanktionen, Waffenexporte und Energiegenehmigungen entscheidet, ist über Familie und Firma mit den Staaten verbunden, die davon betroffen sind — und diese Staaten leben vom Verkauf fossiler Energie.

Wer unter solchen Bedingungen darauf wartet, dass sich das fossile Geschäftsmodell von selbst zurückzieht, wartet lange.

Der letzte Teil dieser Reihe kommt zurück nach Deutschland — zu Verbrennern, Panzern, Gaskraftwerken und zu der einen Stelle, an der wir selbst etwas ändern können.

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