Wem gehört das Auto
Im Juli 2026 wurde ein Vorhaben von Volkswagen gestoppt. Nicht vom Vorstand, nicht von der Bundesregierung, nicht vom Betriebsrat.
VW hatte mit dem israelischen Unternehmen Rafael über die Fertigung von Bauteilen für das Raketenabwehrsystem Iron Dome verhandelt, gedacht war der Standort Osnabrück. Der katarische Staatsfonds stellte sich quer — wegen der Spannungen zwischen Katar und Israel. Das Vorhaben kam nicht zustande.
Der Vorgang zeigt, was ein Anteil ist: ein Sitz am Tisch, an dem entschieden wird.
Foto: Börsensaal in London, 1920. — via Wikimedia Commons — CC0 / Julie Ceccaldi
Wer hält was
Volkswagen AG — bei den Stammaktien, also den Aktien mit Stimmrecht:
| Eigentümer | Stimmrechte |
|---|---|
| Porsche Automobil Holding SE (Familien Porsche und Piëch) | 53,3 % |
| Land Niedersachsen | 20,0 % |
| Qatar Holding LLC (Staatsfonds Katars) | 17,0 % |
Katar hält damit rund 10,4 Prozent des gesamten Kapitals und ist im Aufsichtsrat vertreten. Beim Börsengang der Porsche AG 2022 zeichnete derselbe Fonds als Ankerinvestor 4,99 Prozent der Vorzugsaktien; heute sind es rund 4,7 Prozent.
Mercedes-Benz Group AG, Stand 30. September 2025:
| Eigentümer | Anteil |
|---|---|
| BAIC (Peking, staatlich) | 9,98 % |
| Li Shufu / Geely | 9,69 % |
| Kuwait Investment Authority | 5,57 % |
Kuwait ist seit 1974 dabei — der Einstieg fiel in die Jahre nach der ersten Ölkrise.
Was die Zahlen zeigen
Über die Antriebsstrategie der Hersteller sagen Beteiligungsquoten nichts; dafür müsste man Beschlüsse kennen, die nicht öffentlich sind. Was sie zeigen, ist konkreter und wurde im Juli 2026 vorgeführt: Ein Eigentümer mit 17 Prozent der Stimmen setzt seine außenwirtschaftlichen Interessen gegen eine Geschäftsentscheidung durch. Wenn das bei einem Rüstungsauftrag geht, ist die Frage berechtigt, wo es sonst geht.
Und eine zweite Frage stellt sich von selbst: Ein Staatsfonds, dessen Land vom Verkauf fossiler Energie lebt, hält Anteile an Unternehmen, deren Produkt gerade aufhört, fossile Energie zu verbrauchen. Das muss zu nichts führen. Aber es ist eine Interessenlage, die man kennen sollte, wenn man Debattenbeiträge über „Technologieoffenheit" liest.
Wer am Tisch sitzt
Beteiligungsquoten erklären keine einzelne Entscheidung. Sie zeigen, wer mitentscheidet — und mit welchen Interessen jemand in den Raum geht, in dem über das nächste Jahrzehnt der Antriebe geredet wird.
Für uns folgt daraus etwas Einfaches: Wer darauf wartet, dass diese Runde von sich aus die Regeln ändert, wartet lange. Was sich ändern lässt, sind die Regeln, nach denen Ladestrom abgerechnet wird. Dafür braucht es niemanden mit 17 Prozent der Stimmen.
Der zweite Ort, an dem über dasselbe Auto gerechnet wird, liegt näher — in der Werkstatt um die Ecke.
→ Der zweite Ort, an dem gerechnet wird: die Werkstatt
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