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Dänemark: Windpionier mit Stromnetz nach allen Seiten

10. Juni 2026 5 min Lesezeit Ladefreunde-Blog

Dänemark: Windpionier mit Stromnetz nach allen Seiten

Offshore-Windpark vor Kopenhagen

Foto: Offshore-Windpark Middelgrunden vor Kopenhagen — via Wikimedia Commons — CC BY 2.0 / Ben Paulos

Kein Land der Welt deckt einen so großen Teil seines Strombedarfs aus Wind wie Dänemark. In windreichen Stunden erzeugen die dänischen Anlagen mehr Strom, als das Land selbst verbraucht – mehr als 100 Prozent des Bedarfs. Was dann mit dem Überschuss passiert, ist für unsere Frage zentral: Dänemark regelt seine Windräder nicht einfach ab, sondern schiebt den Strom über Leitungen zu den Nachbarn. Das Land hat sich früh entschieden, Flexibilität und Vernetzung statt Stillstand zu organisieren. Genau hier liegt der Bezug zur Forderung der LADEFREUNDE: Überschussstrom nutzen, statt ihn wegzuwerfen.

Stand der erneuerbaren Energien

Dänemark erzeugt rund 60 Prozent seines Stroms aus Wind – der höchste Windanteil weltweit. Zusammen mit Solar (etwa 14 Prozent) und Biomasse kommt das Land 2025 auf über 92 Prozent kohlenstoffarmen Strom; fossile Erzeugung macht nur noch rund 8 Prozent aus. Die Regierung steuert das Ziel von 100 Prozent erneuerbarer Stromerzeugung bis 2030 an.

Der Schwerpunkt liegt klar auf der Windkraft, an Land und vor allem auf See. Dänemark plant seine Offshore-Kapazität bis 2030 auf 14 Gigawatt auszubauen. Herzstück sind die sogenannten Energieinseln: Vor Bornholm in der Ostsee entsteht ein Knotenpunkt, der zunächst 3 Gigawatt Offshore-Wind über zwei HVDC-Seekabel an das dänische und das deutsche Netz koppelt (Inbetriebnahme um 2032). In der Nordsee ist eine künstliche Insel geplant, die als Drehkreuz für zunächst bis zu 3 Gigawatt und perspektivisch bis zu 10 Gigawatt Offshore-Wind dienen soll. Damit wird der Wind nicht nur erzeugt, sondern von Anfang an mit den Abnehmern verbunden gedacht.

Stromspeicher: wenig im eigenen Land

Bei den klassischen Speichern ist Dänemark schwach aufgestellt – aus geografischen Gründen. Das Land ist flach und besitzt praktisch keine Wasserkraft und keine Pumpspeicher, wie sie etwa Norwegen oder die Alpenländer haben. Beim Lastausgleich ist Dänemark deshalb von den Verbindungen zu seinen Nachbarn abhängig. Auch der Batteriespeicher-Ausbau steht erst am Anfang: Erste größere Batterieparks gingen 2025 ans Netz – Mitte 2025 konnten drei Parks zusammen rund 36 Megawatt (72 Megawattstunden) speichern, weitere deutlich größere Projekte sind in Entwicklung. Verglichen mit dem Windausbau ist das bislang eine kleine Größe.

Dänemark gleicht diesen Mangel an eigenem Speicher nicht durch Abregelung aus, sondern durch zwei andere Hebel: durch starke Leitungen zu den Nachbarn (dazu gleich mehr) und durch flexible Verbraucher. Eine wachsende Elektroflotte gehört zu diesen Verbrauchern – Strom, der sonst exportiert oder gar nicht erzeugt würde, kann in Autobatterien wandern. Das ist die Logik „erst nutzen, dann speichern": Bevor man teuren stationären Speicher baut, lohnt es sich, vorhandenen Verbrauch in die Überschussstunden zu verschieben.

E-Mobilität: europäischer Spitzenreiter

Bei der Elektromobilität gehört Dänemark zur europäischen Spitze. 2025 waren rund 68,5 Prozent aller neu zugelassenen Pkw rein batterieelektrisch; in einzelnen Monaten gegen Jahresende lag der Anteil sogar über 80 Prozent. Der Bestand überschritt im Laufe des Jahres 2025 die Marke von 500.000 reinen Elektroautos.

Die Ladeinfrastruktur wuchs entsprechend rasant: Das öffentliche Netz erreichte rund 50.000 Ladepunkte, darunter etwa 7.000 ultraschnelle Lader. Im ersten Quartal 2025 verzeichnete Dänemark den stärksten Zuwachs an öffentlichen DC-Schnellladern in ganz Europa. Diese Flotte ist potenziell ein riesiger, verteilter Flexibilitätspuffer – jedes ladende Auto, das in einer windreichen Stunde Strom zieht, nutzt Überschuss, der sonst über die Grenze fließt. Damit dieser Hebel greift, müssen Laden und Erzeugung zeitlich zusammenfinden. Genau das ist der Kern der LADEFREUNDE-Forderung: Überschussstrom an Ladesäulen nutzbar machen, statt Windräder abzuregeln.

Netz und Interkonnektoren: der „Speicher per Leitung"

Dänemarks eigentliche Stärke liegt im Netz nach allen Seiten. Statt überschüssigen Wind abzuregeln, exportiert das Land ihn – und importiert in windstillen Stunden zurück. Die Leitungen wirken so wie ein geliehener Speicher.

Nach Norwegen führt die Skagerrak-Verbindung mit zusammen 1.700 Megawatt – dort liegen die großen Wasserkraft-Speicherseen, die als Puffer für dänischen Windstrom dienen. Nach Schweden bestehen Verbindungen in der Größenordnung von rund 1.300 bis 1.700 Megawatt, nach Deutschland rund 1.500 bis 1.780 Megawatt. Hinzu kam Ende 2023 der Viking Link nach Großbritannien: Mit 765 Kilometern das damals längste Interkonnektor-Kabel der Welt, ausgelegt auf 1,4 Gigawatt. Die Erlöse, die der Übertragungsnetzbetreiber Energinet aus diesen Engpass-Verbindungen erzielt, müssen nach EU-Regeln in das Netz zurückfließen; einen Teil davon setzt Energinet zur Senkung der Netzentgelte ein (2024 rund 67 Millionen Euro).

Wichtig zur Einordnung: Diese Interkonnektoren sind kein Argument für immer mehr Überlandtrassen im Inland. Sie zeigen vielmehr, dass ein Stromsystem mit sehr hohem Erneuerbaren-Anteil auf flexible Abnahme angewiesen ist. Dänemark löst das heute über die Nachbarn – und baut künftig mit den Energieinseln Erzeugung und Verbrauch von vornherein zusammen. Für Länder mit weniger Export-Optionen heißt die Konsequenz: Den Überschuss vor Ort nutzen. Ladende Fahrzeuge sind dafür einer der naheliegendsten und am schnellsten verfügbaren flexiblen Verbraucher.

Was Dänemark uns zeigt

Dänemark beweist, dass ein Stromsystem auch mit zeitweise mehr als 100 Prozent Windanteil stabil laufen kann – wenn der Überschuss eine Verwendung findet. Eigene Speicher sind dabei nicht die einzige Antwort; entscheidend ist, dass erzeugter Strom genutzt wird, statt verloren zu gehen. Genau diese Haltung – nutzen statt abregeln – steht hinter der zeitlichen Erweiterung des §13k EnWG, für die sich die LADEFREUNDE einsetzen.

Quellen

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