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Laden und E-Autos in Spanien — ein Lagebericht zur Sommerreise

10. Juni 2026 5 min Lesezeit Ladefreunde-Blog

Laden und E-Autos in Spanien — ein Lagebericht zur Sommerreise

Ladestation in Spanien

Foto: Endesa-X-Ladestation auf Mallorca — via Wikimedia Commons — CC BY-SA 4.0 / Steffen Mokosch

Wer im Sommer mit dem E-Auto nach Spanien fährt, stellt sich zwei Fragen: Komme ich dort gut ans Laden? Und was kostet das? Beides hat sich in den letzten Jahren spürbar verändert. Spanien holt auf, hat aber andere Stärken und andere Lücken als Deutschland. Ein nüchterner Überblick — und am Ende ein kurzer Blick darauf, was das mit unserer Kernforderung zu tun hat.

Wie dicht ist das Ladenetz?

Spanien hat sein öffentliches Ladenetz Ende 2025 auf rund 50.000 Ladepunkte ausgebaut — ein Plus von etwa zehn Prozent im Jahresverlauf. Das meldet der Branchenverband AEDIVE, der die Zahlen quartalsweise erhebt. Zum Vergleich: In Deutschland zählte die Bundesnetzagentur zum 1. November 2025 rund 184.600 öffentliche Ladepunkte, davon etwa 139.300 Normallade- (AC) und 45.300 Schnellladepunkte (DC).

Deutschland hat also bei der reinen Zahl der Ladepunkte einen deutlichen Vorsprung. Bei der Fläche ist das Bild differenzierter: Spanien ist groß und teils dünn besiedelt, und das Netz ist sehr ungleich verteilt. Vier Regionen — Katalonien, Madrid, Andalusien und Valencia — vereinen knapp 60 Prozent aller öffentlichen Ladepunkte auf sich. Der Osten und die Küsten sind gut versorgt, der Westen und das Landesinnere deutlich dünner.

Schnellladen entlang der Korridore

Beim Schnellladen hat Spanien zuletzt Tempo gemacht. Die Zahl der Lader mit 50 bis 250 kW hat sich 2025 verdoppelt, die der Lader oberhalb von 250 kW ist um rund 85 Prozent gestiegen — von einem niedrigen Ausgangsniveau, aber mit klarer Richtung. Die Strategie ist erkennbar: zuerst leistungsfähige Schnellladekorridore (HPC) für die mittleren und langen Strecken, dann der Ausbau in Städten und an Zielorten.

Für die Urlaubsreise heißt das: Auf den großen Achsen entlang der Mittelmeerküste und zwischen den Ballungsräumen ist man meist gut bedient. Wer abseits der Hauptkorridore ins Hinterland fährt — etwa nach Extremadura oder ins zentrale Kastilien —, sollte die Etappen genauer planen, weil die Abstände zwischen leistungsfähigen Ladern dort größer sind.

Was kostet das Laden?

Beim Preis liegen AC und DC erwartbar auseinander. Wechselstromladen (AC) ist günstiger, Gleichstrom-Schnellladen (DC) teurer. Bei großen Betreibern wie Endesa X Way liegen die DC-Tarife je nach Standort grob zwischen 0,39 und 0,61 Euro pro Kilowattstunde. Direktkunden bei Iberdrola laden teils günstiger. Die Spannweite ist groß, weil Tarifmodell, Leistungsklasse und Betreiber stark variieren.

Wichtig fürs Reisen: Wer mit einer ausländischen Roaming-Ladekarte unterwegs ist, zahlt häufig mehr als lokale Direktkund:innen. Es lohnt sich, vorab die App oder Karte des jeweiligen Betreibers einzurichten. Die größten Anbieter sind Endesa, Iberdrola, Repsol und Zunder; als gängige Bezahlmethoden gelten Betreiber-Apps und RFID-Karten.

Wie viele E-Autos fahren in Spanien?

Der Markt wächst, startet aber von einem niedrigeren Niveau als in vielen Nachbarländern. 2025 wurden in Spanien rund 243.000 aufladbare Pkw neu zugelassen (rein batterieelektrisch plus Plug-in-Hybrid) — zusammen knapp 19 Prozent des Neuwagenmarktes. Die reinen Batterieautos (BEV) kamen dabei auf etwa 114.000 Fahrzeuge und einen Anteil um die 8 bis 9 Prozent; die Plug-in-Hybride legten mit rund 131.000 Zulassungen sogar noch stärker zu. Bestseller war der Tesla Model 3, gefolgt vom Model Y.

Zur Einordnung: Der BEV-Neuwagenanteil liegt in Deutschland höher, ist 2025 aber ebenfalls in Bewegung. Spanien holt von hinten auf — getrieben auch durch günstigere Modelle, unter anderem chinesischer Hersteller.

Die Förderung: MOVES III ausgelaufen

Wesentlicher Treiber war das staatliche Förderprogramm Plan MOVES III. Es bezuschusste den Kauf von E-Autos mit bis zu 7.000 Euro (Pkw) und bot zusätzlich Zuschüsse für Wallboxen. Das Programm lief Ende 2025 aus; seit Anfang 2026 werden über MOVES III keine neuen Anträge mehr angenommen. Als Nachfolge ist ein neues Förderkonzept im Rahmen eines „Plan Auto"-Pakets vorgesehen. Wer 2026 in Spanien ein E-Auto kauft, sollte den aktuellen Förderstand also genau prüfen — hier ist gerade Übergang.

Ein Praxisblick: schwere Fahrzeuge

Wie sich Laden in Spanien in der Praxis anfühlt, dokumentiert der YouTube-Kanal „Der Elektrotrucker". Der Fahrer hat seinen Elektro-Lkw in einer mehrteiligen Serie über rund 5.000 Kilometer bis nach Málaga und zurück gefahren. In einer Folge schildert er einen Lkw-Ladepark des Betreibers Milence in Zaragoza — also genau jene schwere Infrastruktur, die für den Güterverkehr entlang der spanischen Korridore gerade erst entsteht. Für Reisende mit dem Pkw ist das nur bedingt übertragbar, zeigt aber, dass das Schnellladenetz in Spanien zunehmend auch über den Pkw hinaus gedacht wird (siehe Quellen).

Was das mit „Nutzen statt Abregeln" zu tun hat

Spanien hat — wie Deutschland — viel Sonne und Wind, und immer häufiger Stunden, in denen erneuerbarer Strom den Börsenpreis ins Negative drückt. Genau in solchen Stunden ließe sich dieser Überschuss sinnvoll an Ladesäulen unterbringen, statt Erzeugung abzuregeln. Unsere Forderung, den §13k EnWG zeitlich zu erweitern, zielt genau darauf: Überschussstrom dort nutzen, wo flexible Last bereitsteht — und das sind zu großen Teilen ladende Fahrzeuge. „Erst nutzen, dann speichern." Wer im Urlaub in Südeuropa lädt, erlebt nebenbei, wie ein wachsendes Ladenetz und viel Sonnenstrom zusammenkommen — die Logik ist diesseits und jenseits der Pyrenäen dieselbe.

Quellen

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